Sommercamp mit dem Jungen Buddhistischen Netzwerk

23. – 26. Juli 2026

Bei meinem Aufenthalt letzten Winter in der Metta Vihara durfte ich einige Mitglieder des Jungen Buddhistischen Netzwerks kennenlernen, die dort für ihr Winterretreat zu Gast waren. Es hat mich sehr gefreut und geehrt, als sie mich eingeladen haben sie in ihrem Sommercamp in Schneverdingen zu begleiten.

Im wunderschön zwischen Mais- und Weizenfeldern der Lüneburger Heide gelegenen Milarepazentrum trafen sich rund dreissig junge Leute zwischen 20 und 35, um sich mit Gleichgesinnten zu verbinden oder bereits bestehende Connections zu vertiefen.

Im abwechslungsreich gestalteten Ablauf gab es sowohl Zeit für Lehrvorträge mit Meditationseinheiten als auch Raum für achtsamen Austausch und ungezwungene Gespräche beim Spaziergang oder abends am Lagerfeuer.

Es war wundervoll mitzuerleben, mit wie viel Interesse und Hingabe diese jungen Leute, die zum Teil zum ersten Mal mit dem Buddhismus in Kontakt kamen, das Dhamma aufnahmen.

Ich hoffe sehr, dass wir uns immer mal wieder begegnen werden und die Samen, die dieses Wochenende gepflanzt wurden reich blühen und den Duft des Dhamma in die Welt hinaus tragen.

Gerne teile ich hier die Vorträge und Meditationen, die ich dieses Wochenende gelehrt hatte. Mögen es vielen Wesen zum Wohl gereichen!

Vortrag: Die ersten drei Edlen Wahrheiten und der erste Schritt auf dem Edlen achtfachen Pfad: Richtige Sichtweise

Meistens kommen Leute zum Buddhismus, weil sie merken, dass das Leben einfach nicht so recht perfekt sein will. Wir schlagen uns mit vielerlei Problemen und Herausforderungen herum. Manche sind klein und lösbar und manche sind richtig heftig und überwältigend. Die Dinge laufen leider nicht immer so, wie wir das gerne hätten. Und selbst wenn sie das eine Weile tun, schleicht sich doch immer wieder ein Gefühl der Unzufriedenheit ein, des Unwohlseins.

Andere fühlen sich durch die friedvolle, zufriedene Ausstrahlung zum Buddha hingezogen. Das tut es nur, weil dieser innere Friede fehlt. Also wenn Unfrieden, Unzufriedenheit vorhanden ist. Wäre innerer Friede vorhanden, würde er uns ja nicht fehlen.

Damit sind wir bereits bei der ersten Edlen Wahrheit angekommen, die der Buddha erkannt hat:

Dies ist die edle Wahrheit vom Leiden:

Geburt ist leidvoll,  Altern ist leidvoll, Tod ist leidvoll. 

Kummer, Klagen, Schmerz, Trauer und Verzweiflung sind leidvoll. 

Mit Unliebem vereint sein ist leidvoll, von Liebem getrennt sein ist leidvoll. 

Nicht bekommen, was man sich wünscht, ist leidvoll. 

Zusammengefasst, die fünf Ergreifensgruppen sind leidvoll.

Unter Leiden verstehen wir normalerweise, dass es uns richtig schlimm geht. Jemand leidet unter einer schweren Krankheit oder unter prekären Lebensumständen. Oder unter Liebeskummer, der wirklich extrem schmerzhaft sein und einen zur Verzweiflung treiben kann. Ganz allgemein können emotionale Schmerzen wie Selbstabwertung, Depressionen oder Ängste äußerst leidhaft sein.

Der Buddha verstand aber unter Leiden, in Pali Dukkha, viel mehr. Die Vorsilbe du bedeutet in Pali „schlecht“, im Gegensatz zu su „gut“. Dukkha umfasst also alles, was wir als schlecht, unangenehm empfinden und nicht als gut, angenehm. Dukkha, Leiden, umschließt alles, was wir als nicht angenehm, als nicht zufriedenstellend erleben. Selbst das Angenehme ist nicht zufriedenstellend, da es von der Angst begleitet wird, dass es aufhört oder uns weggenommen wird.

Wenn wir Buddhas Definition von Dukkha genau anschauen, dann ist Dukkha in allem enthalten. 

Geburt ist nicht nur die menschliche Geburt, sondern das Entstehen von den Dingen. Altern das Verändern der Dinge. Tod das Verschwinden der Dinge. Wenn uns Angenehmes widerfährt, sei es etwas Leckeres zu essen, ein interessantes Gespräch mit einem sympathischen Menschen, ein schöner Sonnenuntergang oder was auch immer, ist das Entstehen, also das in Kontakt treten damit, angenehm und das Verändern und Verschwinden unangenehm, Dukkha. Wir stecken viel Energie hinein, um das Angenehme zu erhalten und sein Verändern und Verschwinden zu verhindern oder möglichst weit hinauszuzögern. Was letztendlich nicht gelingt.

Wenn uns Unangenehmes widerfährt, wie körperliche Gefühle wie jucken oder ziehen oder Druckgefühle, Menschen, die uns missverstehen, abwerten oder gar verletzen, was auch immer, da ist das Entstehen unangenehm und sein Verändern oder zumindest Verschwinden davon angenehm. Wir stecken viel Energie hinein, um dem auszuweichen und das Entstehen solcher Situationen zu verhindern und das Verändern und Verschwinden so gut es geht zu beschleunigen. Wir versuchen, das Unangenehme loszuwerden, was natürlich auch nicht immer gelingt. 

Wir sind ständig damit konfrontiert, dass wir das, was wir uns wünschen, nicht bekommen. 

Dass wir etwas bekommen, das wir gar nicht wollen.

Dass wir verlieren, was wir als unser Eigentum betrachten und behalten wollen.

Die Angst, dass die Dinge nicht so werden oder so bleiben, wie wir sie gerne hätten, ist unser ständiger Begleiter, auch wenn wir das vielleicht gar nicht bewusst wahrnehmen.

Die fünf Ergreifensgruppen, von denen der Buddha am Schluss spricht, sind der Körper und die vier Komponenten, aus denen der Geist besteht: Wahrnehmung, Gefühl, willentliche Aktivitäten und Bewusstsein. 

Das Anhaften an diesen Gruppen verursacht Leid. Die Anhaftung, dass der Körper so und so sein soll und so und so zu funktionieren hat, schafft Leiden. Die Anhaftung an unserer Wahrnehmung und dass sie richtig ist und folglich die (abweichende) Wahrnehmung anderer falsch ist, schafft Leiden. Der Anspruch, immer nur angenehme Gefühle zu haben und keine unangenehmen, schafft Leiden. Die Anhaftung an unsere Gedanken und unsere willentlichen Aktivitäten verursacht Leiden. Und die Anhaftung an das, was wir zu wissen meinen, verursacht Leiden. 

Denn nichts davon wird immer der Fall sein.

Seit jeher versucht die Menschheit dieses Problem zu lösen, indem jeder mit aller Kraft versucht, dafür zu sorgen, dass 

Wir alles bekommen, was wir wollen.

Alles vermeiden, was wir nicht wollen.

Alles behalten, was wir besitzen.

Und immer recht haben.

Das schließt nicht nur materielle und emotionale Dinge ein, sondern auch und ganz besonders unsere Ansichten und Meinungen.

Wohin uns diese Mentalität geführt hat, sehen wir, wenn wir uns die Welt voller Ausbeutung, Umweltzerstörung, Krieg und Spaltung anschauen. 

Trotz dieser enormen Kosten ist es mit dieser Vorgehensweise noch keinem gelungen, alles zu haben, nichts zu verlieren und alles Unerwünschte von sich fernzuhalten. Und nie in Frage gestellt zu werden.

Was also tun?

Vielleicht gehen wir die Gleichung von der falschen Seite an.

Die Gleichung lautet:

Ich + Umwelt = Glück oder Leid

Was allgemein versucht wird, ist den Faktor Umwelt so zu manipulieren, dass auf der anderen Seite Glück herauskommt.

Das kann und wird nie funktionieren. Egal wie effektiv wir sind, wir werden niemals in der Lage sein, unser Umfeld so zu manipulieren, dass am Ende der Gleichung immer Glück steht. Das gibt die Welt schlicht nicht her.

Wenn wir es mit dem Glücklichsein, mit innerem Frieden ernst meinen, bleibt uns nichts anderes übrig, als uns dem anderen Faktor zuzuwenden: Ich.

Der Buddha hat das in der zweiten Edlen Wahrheit erkannt:

Dies ist die edle Wahrheit vom Leidensursprung:

Es ist dieses Begehren, das erneutes Werden bringt, mit Ergötzen und Lust einhergeht, hier und dort Entzücken findet, nämlich: Begehren nach Sinneserleben, Begehren nach Dasein, Begehren nach Nicht-Dasein bzw. Daseinsmöglichkeit.

Die Ursachen, warum die Dinge nicht so sind, wie wir es gerne hätten, liegen nicht an den Dingen, sondern daran, was wir gerne hätten, an unseren Wünschen und Vorstellungen. Es liegt an unseren Ansichten, wie die Welt zu sein hat, damit sie uns passt. An diesen Ansichten können wir arbeiten:

Dies ist die edle Wahrheit von der Leidensauflösung: 

Es ist das restlose leidenschaftsfreie Auflösen eben dieses Begehrens, das Aufgeben, der Verzicht, die Befreiung, das Zurückweisen. 

Wenn es uns gelingt, unsere Wünsche und Ansichten loszulassen, unser Ich-will-aber und ich-will-aber-nicht, dann verlassen wir die Unzufriedenheit.

Wer nichts will, hat alles, was er will und muss um nichts kämpfen.

Wer annehmen kann, was sich nicht angenehm anfühlt, muss gegen nichts kämpfen.

Wer loslassen kann, was er besitzt, muss nichts verteidigen.

Nicht kämpfen, nicht verteidigen – das nennt man Frieden.

Wie man dahin kommt erklärt der Buddha in der vierten Edlen Wahrheit: 

Dies ist die edle Wahrheit von der Herangehensweise, die zur Leidensauflösung führt:

Es ist eben dieser edle achtfache Pfad, nämlich: 

Richtige Sichtweise, richtige Absicht, richtige Rede, richtiges Handeln, richtige Lebensweise, richtige Anstrengung, richtige Achtsamkeit, richtige Sammlung.

Der erste Schritt, Richtige Sichtweise, ist das Wissen von den vier Edlen Wahrheiten:

Richtige Ansicht: Wissen von Dukkha, vom Ursprung von Dukkha, vom Aufhören von Dukkha, und vom Weg, der zum Aufhören von Dukkha führt.

Also das, wovon ich eben gesprochen habe: Was Leiden ist, wie es entsteht, wie es sich auflöst und dass es einen Weg gibt, dem man folgen kann, um diese Auflösung zu erreichen.

Sitzmeditation: Dukkha erkennen

Diesen ersten Schritt wollen wir jetzt in der Meditation gehen. Wir untersuchen, ob das, was der Buddha gesagt hat, überhaupt stimmt. 

In den nächsten 30 Minuten wollen wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten, ob wir das Ich-will-das oder ich-will das-nicht erkennen können. Wie wir mit angenehmen und unangenehmen Sinneseindrücken umgehen. Ob wir wirklich versuchen, das Angenehme zu behalten und das Unangenehme loszuwerden. Welche Strategien wir anwenden, um diese 30 min durchzustehen. Welche Ansichten wir haben, wie diese 30 min idealerweise verlaufen sollten. 

Und wir können untersuchen, wie es sich anfühlt, wenn wir das alles loslassen. Unsere Ansichten, wie eine gute Meditation sein soll. Uns bei unangenehmen Körperempfindungen nicht dagegen zu wehren und zu versuchen sie durch Bewegung loszuwerden, sondern ruhig und gelassen bleiben. Versuchen, entspannt zu bleiben, im Vertrauen darauf, dass man sich in 30 Minuten keine dauerhaften Rücken- oder Knieschäden einhandeln kann.

Einverstanden zu sein, dass angenehme Sinneseindrücke wieder verschwinden.

Es geht in den folgenden 30 min nicht darum, eine angenehme Zeit zu haben, sondern etwas über unseren Geist zu lernen. Wie er mit den Dingen umgeht und wie das unnötiges Leid verursacht. Und dass wir damit aufhören können.

Setzt euch dafür mit gekreuzten Beinen aufrecht hin. Schiebt euren Po etwas nach hinten, so dass das Becken nach vorne kippt. Zieht euer Kinn/Kopf so weit nach hinten wie ihr könnt, ohne den Oberkörper zu bewegen. Nun sitzt ihr mit geradem Rücken. Betrachtet eure Bauchdecke, wie sie sich durch die Atembewegung hebt und senkt. Das ist euer Anker, von dem aus ihr beobachtet, wie Dukkha entsteht und wie ihr damit umgeht.

Vortrag: Die Schritte 2 – 5 auf dem edlen achtfachen Pfad: Richtige Absicht und Tugend

Idealerweise haben wir in der Meditation gerade eine erste Einsicht gewonnen. Nämlich dass das Leiden abnimmt, wenn wir loslassen. Dass loslassen zu Frieden und Gelassenheit führt. Diese Erkenntnis bringt uns zum zweiten Schritt auf dem edlen achtfachen Pfad: die Richtige Absicht:

Richtige Absicht: Absicht der Entsagung, des Nicht-Übelwollens und der Nicht-Grausamkeit.

Entsagung, in Pali nekkhamma,  wird häufig auch mit Verzicht übersetzt. Das hinterlässt sofort ein ungutes Gefühl. Es klingt nach Zwang, nach nicht-haben-dürfen. Darum geht es aber gar nicht. Entsagung ist loslassen, nicht-festhalten. Es ist Verzicht in dem Sinne, dass wir erkennen, dass wir etwas gar nicht brauchen, um glücklich und zufrieden zu sein. Wir versuchen uns von den Dingen, von denen wir denken, dass wir sie zum Glücklichsein brauchen, unabhängig zu machen. Wir können lernen, glücklich und zufrieden zu sein, obwohl gerade das Knie weh tut oder die Nase juckt. Obwohl wir gerade dieses und jenes nicht haben oder eine Person sich anders verhält, als wir uns das wünschen. Wir können uns, nicht nur in der Meditation, sondern auch im Alltag, immer wieder hinterfragen: Brauche ich das wirklich? Warum denke ich, dass ich das brauche? Was verspreche ich mir eigentlich davon, wenn ich bekomme, was ich haben möchte? Kann ich das, was ich mir davon verspreche, auch jenseits von ‚haben‘ und ‚bekommen‘ erreichen? 

Zur richtigen Absicht gehört nicht nur die Absicht des Loslassens, sondern auch die Absicht des Nicht-Übelwollens. Positiv ausgedrückt: die Absicht des Wohlwollens. In Pali heißt Wohlwollen Metta. Vielleicht hat der eine oder andere schon davon gehört. Üblicherweise wird es mit liebender Güte übersetzt. Mir gefällt Wohlwollen besser, da ich es als klarer und konkreter empfinde. Wohlwollen will Wohl. Wenn ich jemandem gegenüber Wohlwollen habe, will ich, dass demjenigen wohl ist. Dass diese Person sich wohl fühlt, glücklich und zufrieden ist. 

Wenn ich mir wünsche, dass jemandem wohl ist, sich glücklich und zufrieden fühlt, erzeuge ich mit diesem Wunsch eben genau diese Gefühle in mir selbst. Wenn ich darüber nachdenke, dass es doch diesem oder jener gut gehen möchte und ich mir vorstelle, dass diese Person sich wohl fühlt, erzeuge ich Wohlfühlen in mir. Je mehr ich das übe, umso leichter fällt es mir und umso stärker entsteht dieses Wohlgefühl.

Wenn wir gelernt haben, Wohlgefühl in uns zu erzeugen, indem wir uns um Wohlwollen bemühen, uns selbst gegenüber oder anderen gegenüber, fällt es uns viel leichter, die Dinge loszulassen, von denen wir uns ein Wohlgefühl erhofften. Wir sind nicht mehr darauf angewiesen, dieses und jenes zu bekommen, um uns gut zu fühlen. Wir sind nicht mehr darauf angewiesen, dass sich jemand uns gegenüber nett und freundlich verhält, um uns wohlzufühlen. Wir sind nicht mehr darauf angewiesen, in unseren Ansichten und Meinungen bestätigt zu werden. Wir haben nämlich gelernt, und lernen weiter, wie wir uns durch unser Wohlwollen aus uns selbst heraus wohl fühlen. Unabhängig von äußeren Umständen. 

Wenn wir uns und anderen Wohlbefinden wünschen, können wir nicht grausam sein. Wir können uns nicht rücksichtslos oder gleichgültig verhalten. Wir können nicht rücksichtslos in Kauf nehmen, dass unser Verhalten jemanden verletzt oder schadet, und gleichzeitig aufrichtig wünschen, dass es demjenigen gut geht. Wenn Wohlwollen, metta, auf Unwohlsein trifft oder auf mögliches zukünftiges Unwohlsein, dann entsteht Mitgefühl, Karuna. Mitgefühl ist das Gegenteil von Grausamkeit. Es ist der Wunsch, dass es jemandem, dem es nicht gut geht, besser gehen möge. Trifft Wohlwollen, Metta, auf Wohlsein, so entsteht Mitfreude, Mudita. Wir freuen uns für jemanden und gönnen ihm von Herzen, was ihm Gutes widerfahren ist. Wenn es etwas ist, das wir selbst gerne gehabt hätten, kann das ganz schön herausfordernd sein. Es ist nicht leicht, sich zu freuen, wenn andere dürfen, was wir nicht dürfen, können, was wir gerne können würden und bekommen, was wir uns für uns selbst sehnlichst wünschen. Natürlicherweise reagieren wir auf solche Situationen mit Neid oder Missgunst. 

Wenn wir die Absicht des Wohlwollens, des Mitgefühls und der Mitfreude üben und entwickeln, lassen wir ihr jeweiliges Gegenteil los: Ablehnung, Grausamkeit und Missgunst. Dieses Loslassen, das wir ja auch schon bei der Absicht der Entsagung üben, ist Gleichmut, Upekkha. Wenn wir gleichmütig sind, lassen wir alles los, was unsere Zufriedenheit zerstören könnte.

Diese vier Gefühle, Wohlwollen, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut werden die vier göttlichen Verweilungen genannt, in Pali brahmaviharas. Wenn es uns gelingt, nur aus diesen vier Geisteszuständen heraus zu handeln, verwirklichen wir den Himmel auf Erden in unseren Herzen.

Mit diesen Einstellungen im Herzen werden wir keinem Lebewesen schaden oder etwas wegnehmen. Schon gar nicht das, was ihm am kostbarsten ist: das eigene Leben. Wir lügen und betrügen nicht, reden nicht schlecht über andere oder rauben anderen mit dummem Geplapper die Zeit. Wir benutzen oder missbrauchen niemanden und hüten uns davor, unseren Geist mit Alkohol oder Drogen zu benebeln. Die Gefahr, im Rausch jemandem zu schaden, nehmen wir bestimmt nicht in Kauf.

So führt die Richtige Absicht zur Tugendhaftigkeit, Sila, den Schritten 3-5 auf dem Weg:

Richtige Rede: Enthaltung von unwahrer Rede, von böswilliger Rede, von groben Worten und von sinnlosem Geschwätz. 

Richtiges Handeln: Enthaltung vom Töten lebender Wesen, vom Nehmen von dem, was nicht gegeben wurde, und von Fehlverhalten bei Sinnesvergnügen.

Richtiger Lebensunterhalt: Nachdem ein edler Schüler falsche Lebensweise aufgegeben hat, verdient er seinen Lebensunterhalt auf Richtige Lebensweise. 

Falsche Lebensweise sind Berufe, in denen Lebewesen gehandelt oder getötet werden: Metzger, Handel mit Menschen, Tieren, Waffen oder Giften. Soldat ist kein falscher Beruf, da sein Beruf der Schutz der Menschen ist (auch wenn er möglicherweise dafür töten muss). Ein Auftragskiller hingegen schützt nicht, sondern sein Job ist es zu töten.

Gehmeditation: Liebevolles, sanftes Gehen, Liebevolles Sehen

In den kommenden 30 Minuten wollen wir dieses Wohlwollen üben. Wir werden gemeinsam Gehmeditation üben und uns darauf fokussieren, unsere Füße und Beine liebevoll zu benutzen. Voller Dankbarkeit und Freude, dass wir das überhaupt können, weil wir gesunde Glieder haben. Wie kostbar das ist, wird uns ja meistens erst bewusst, wenn wir es nicht mehr können, zum Beispiel durch Querschnittlähmung. 

Wir wollen darauf achten, den Boden ganz liebevoll und behutsam zu berühren, als wäre er ein Lebewesen, dessen Wohl uns am Herzen liegt. Wenn der Boden ein Bewusstsein hätte, wie würde er das wohl finden, dass wir völlig achtlos auf ihm herumtrampeln?

Und wir wollen darauf achten, ob unser Blick liebevoll, voller Wertschätzung auf die Dinge fällt. In einer Lehrrede ist die Rede von drei Mönchen, die sich gegenseitig mit gütigen Augen betrachten. Wir wollen also liebevolle Füße und gütige Augen üben.

Tipps für den Alltag

Die größte Hürde beim Umsetzen im Alltag ist das Vergessen. Wir nehmen uns vor, ab jetzt immer ganz achtsam und liebevoll zu sein. Etwas lenkt uns ab und schwupps, schon ist alles vergessen. Da hilft es einerseits, die Ablenkungen zu reduzieren. Allerdings hilft das nur begrenzt, denn die schlimmste Ablenkung ist der Geist selbst. Selbst als Nonne, die sich von den allermeisten Ablenkungen fern hält, verliert man oft genug den Fokus, weil wieder etwas dazwischen funkte bzw. der Geist davon sauste.

Am allermeisten hilft: mach langsam. Mit dem Körper, vor allem aber auch im Geist, der ja gerne voraus eilt. Holt den Geist zurück zu dem, was ihr gerade tut, wenn er sich schon mit den übernächsten Dingen beschäftigt. Holt den Geist zurück und achtet euch darauf, wir ihr die Türklinke behandelt, statt sie einfach zu drücken, während der Geist schon am Esstisch sitzt. Achtet darauf, ob ihr die Dinge, Tisch und Stuhl, Messer und Gabel, euer Essen, mit Wertschätzung behandelt. 

Wenn ihr gerade bemerkt, dass ihr doch achtsam und liebevoll sein wolltet und es vergessen habt, dann haltet euch nicht damit auf, euch darüber zu ärgern und euch auszuschimpfen. Erinnert euch an euer Vorhaben, lacht darüber, und übt einfach heiter weiter, bis Achtsamkeit, Wohlwollen und Wertschätzung euch ins Blut übergegangen sind.

Wir werden das Mittagessen in Schweigen einnehmen. Dadurch wird es euch leichter fallen, das währen der kommenden Mittagspause zu üben.

Anleitung zur Sitzmeditation

Heute Morgen habe ich euch ja nur sehr rudimentäre Anleitungen zur Sitzmeditation gegeben. Jetzt möchte ich euch die ersten Schritte der Achtsamkeitspraxis erklären, wie wir sie in der Anenja Vihara praktizieren.

Setzt euch wieder mit gekreuzten Beinen so hin, dass ihr entspannt sitzen könnt. Rutscht mit eurem Hintern etwas nach hinten, so dass euer Becken nach vorne kippt. Zieht euer Kinn bzw. euren Hinterkopf möglichst weit nach hinten, ohne euren Oberkörper zu bewegen, bis sich euer Rücken entspannt. Ihr könnt euch auch während der Meditation immer wieder darauf achten, den Kopf nach hinten gezogen zu halten.

Nehmt euch einen Moment Zeit, um mit eurer Umgebung, soweit ihr sie mit geschlossenen Augen wahrnehmen könnt, in liebevollen Kontakt zu treten: Hallo Sitzmatte, wie geht es dir? Gut, ja? Das freut mich! Hallo Kleidung. wie geht es dir? Gut, ja? Das das freut mich! Hallo Luft, wie geht es dir? Gut, ja? Das freut mich!Geht

Beobachtet nun mit dieser freudvollen Haltung eure Bauchdecke, wie sie sich bei jedem Einatmen hebt und bei jedem Ausatmen senkt. Benennt diese Bewegung, indem ihr im Geist „Heben“ bzw. „Senken“ sagt. Achtet darauf, dass ihr die Bewegung der Bauchdecke nicht dirigiert, sondern nur kommentiert.

Nach einem benannten Ein- und Ausatmen wendet ihr eure Achtsamkeit vom Bauch weg und macht euch eure Körperhaltung bewusst. Ihr sitzt. Versucht dieses Sitzen im ganzen Körper zu spüren. Das darf gerne mehrere Atemzüge dauern. Benennt eure Körperhaltung mit „Sitzen“. Dieses Benennen hilft uns einerseits, klar bewusst zu sein, und andererseits erschwert es dem Geist, abzuzwitschern.

Wenn ihr eurer Körperhaltung klar bewusst geworden und sie benannt habt, geht ihr wieder zur Bauchdecke zurück und wartet auf das nächste Heben.

Heben – Senken – Sitzen – Heben – Senken – Sitzen …

Achtet darauf, euren Geist offen und weit zu lassen. Wenn ihr etwas hört, oder riecht, oder fühlt, oder denkt, dann ist das keine Störung, sondern das nächste Meditationsobkekt, wie die Körperhaltung. Ihr nehmt es wahr, benennt es mit „Hören“ oder „Riechen“ oder Fühlen“ oder „Denken“ und geht, nachdem ihr den Sinneskontakt klar bewusst wahrgenommen und benannt habt, zur Bauchdecke zurüch und wartet auf das nächste Heben, um mit dem Benennen fortzufahren.

Wenn ihr mit Schmerzen konfrontiert werdet, könnt ihr, anstatt den Schmerz zu beobachten und zu benennen, die Ablehnung, den Widerstand dagegen beobachten und benennen.

Vortrag: Der 6. Schritt: Richtiges Bemühen – Emotionen überwinden sowie Schritt 7 und 8: Achtsamkeitspraxis und Ruhemeditation

Wenn ihr gestern versucht habt, das Gehörte in die Tat umzusetzen, werdet ihr bemerkt haben, dass das nicht von selbst geht, sondern man sich darum bemühen muss. Das bringt uns zum 6. Schritt auf dem edlen achtfachen Pfad: 

Richtiges Bemühen:

Da erweckt ein Schüler Eifer um das Nichtentstehen noch nicht entstandener übler, unheilsamer Geisteszustände, um das Überwinden bereits entstandener übler, unheilsamer Geisteszustände, um die Entfaltung und Vervollkommnung bereits entstandener heilsamer Geisteszustände, und um das Beibehalten,das Nicht-Verschwinden, die Stärkung, das Anwachsen, die Entfaltung und Vervollkommnung bereits entstandener heilsamer Geisteszustände, und er bemüht sich, bringt Energie hervor, strengt seinen Geist an und setzt sich ein.

Die Entfaltung und Vervollkommnung heilsamer Geisteszustände haben wir gestern schon in der Gehmeditation geübt. Es ist das Üben von Wohlwollen, Mitgefühl und Mitfreude. Von Loslassen, das zu Gleichmut, Gelassenheit und Zufriedenheit führt.

Ich möchte mich jetzt auf das Nicht-entstehen unheilsamer Geisteszustände und, falls schon entstanden, ihr Überwinden eingehen.

Was sind unheilsame Geisteszustände? Es sind Emotionen, die zu Schmerzen und Verletzung führen. Bei anderen, aber vor allem auch bei uns selbst. Wut, Ärger, Zorn, Hass. Überheblichkeit, Besserwisserei, Stolz, Verachtung. Habgier, Besitzdenken, Anhaftung, etc.

Wie entstehen sie? Indem wir die Dinge nicht einfach so betrachten, wie sie sind, sondern sie bewerten: Das gefällt mir. Das finde ich richtig. Das ist so schön. 

Schon entsteht Anhaftung, Gier oder Stolz.

Oder

Das mag ich nicht. Das ist falsch. Wie kann man nur! Igitt!

Schon entsteht Ärger, Überheblichkeit, Verachtung.

Wenn wir die Dinge bewerten, lassen wir die Dinge nicht, wie sie sind, sondern beschäftigen uns damit und versuchen einzugreifen. 

Wie kann ich dafür sorgen, dass ich mehr davon bekomme? Dass es nicht verschwindet?

Oder

Wie kann ich dafür sorgen, dass es aufhört oder ich es loswerde?  Jemand seine Meinung ändert und einsieht, dass ich recht habe? 

Jetzt wachsen die Emotionen, weil wir sie durch unsere Gedanken mit Nahrung, mit Energie versorgen. Sehr oft läuft das gar nicht bewusst ab, sondern ganz automatisch. Häufig sind wir ja der Ansicht, es sei unser gutes Recht, uns über Menschen oder Situationen zu ärgern. Dabei übersehen wir völlig, wie viel Schaden wir uns selbst zufügen. Wenn wir uns die Zeit nehmen würden, uns einmal anzuschauen, wie sich diese Emotionen anfühlen, dann würden wir feststellen, wie unangenehm, ja sogar schmerzhaft sie sind. Aber statt dass wir erkennen, dass wir uns das selbst antun, machen wir die anderen oder die Situation dafür verantwortlich, dass wir uns mies fühlen. Etwas gegen diese Emotionen zu unternehmen kommt uns meistens erst dann in den Sinn, wenn sie so stark sind, dass wir Gefahr laufen, die Kontrolle über sie zu verlieren.

Dabei wäre es viel klüger, sich um sie zu kümmern, wenn sie noch klein und überwindbar sind.

Indem wir ihnen eben keine Nahrung zuführen. Indem wir uns nicht mit ihnen beschäftigen und nach Gründen suchen, warum es unser Recht ist, uns so zu fühlen. Indem wir dem Geist nicht erlauben, Öl ins Feuer zu gießen, indem er alles hervor klaubt, was je vorgefallen ist.

Sondern indem wir die Emotion untersuchen. Wo ist das im Körper zu spüren? Wie fühlt es sich genau an? Ist es ein festes Ding oder verändert es sich? 

Indem wir uns bewusst machen: Wir sind nicht diese Emotion. Wir besitzen sie nicht. Sie ist nur ein Besucher. Sie ist entstanden, weil unsere Gedanken (die wir übrigens auch weder sind noch besitzen) sie erzeugt haben. Wenn sie nicht weiter gefüttert wird, verschwindet sie wieder.

Unser Herz ist wie ein Gasthaus. Besucher namens Emotion kommen, bleiben eine Weile, und gehen wieder.

Wenn wir durch Gedanken der Anhaftung, der Ablehnung und der Überheblichkeit ein Umfeld schaffen, in dem sich unheilsame Emotionen wie Verlangen, Ärger oder Empörung wohl fühlen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn sie oft kommen und lange bleiben. Wenn wir durch Entsagung, Wohlwollen und Rücksicht ein Umfeld schaffen, in dem sich Verlangen, Ärger oder Empörung nicht wohl fühlen, kommen sie immer seltener und wollen in dieser (für sie) unangenehmen Atmosphäre auch gar nicht bleiben. 

Leider haben wir die Angewohnheit, Emotionen, die wir nicht mögen, nicht einfach da sein zu lassen, bis sie von selbst verschwinden, sondern versuchen sie loszuwerden, indem wir sie unterdrücken oder verdrängen. Das funktioniert – kurzfristig. Leider nicht auf Dauer und unterdrückte Gefühle können auf Dauer große Probleme verursachen. Bestimmt kennt ihr alle Situationen, in denen unterdrückte Gefühle aus der Kindheit wieder hochkommen und die Herrschaft übernehmen. Bis es uns gelingt, die Kontrolle zurückzubekommen und sie wieder zurückzudrängen. Was das Problem natürlich nicht löst, sondern das Ganze nur auf einen späteren Zeitpunkt verschiebt, an dem sie uns noch heftiger und stärker überrollen. Dieser Abwehrmechanismus kann so stark sein, dass wir an diese alten, unverdauten Gefühle kaum oder gar nicht mehr herankommen. Was sie natürlich nicht davon abhält, uns das Leben schwer zu machen.

Was können wir tun?

Als erstes möchte ich darauf hinweisen, dass ich keine Psychiaterin bin und Meditation kein Allheilmittel gegen psychische Probleme ist. Schwere Traumata gehören unbedingt in die Hände erfahrener Spezialisten. 

Was wir tun können, wenn wir plötzlich mit unangenehmen Emotionen konfrontiert sind, ist, sie liebevoll anzunehmen. Ihnen Wohlwollen und Mitgefühl entgegenzubringen. Ihnen erlauben, da zu sein und ihren Schmerz auszudrücken. Wahrscheinlich wird die Emotion dann erst mal stärker, vielleicht sogar überwältigend. Wir können versuchen, ihr weiterhin den nötigen Raum zur Verfügung zu stellen, den sie braucht, bis die Luft draußen ist und sie sich wieder beruhigen kann. 

Leider passiert das oft nicht in der Meditation, sondern im Alltag, wenn uns gerade etwas getriggert hat. Wenn wir gerade nicht wirklich die Möglichkeit haben, damit zu arbeiten und sie zu heilen. Dann kann es hilfreich sein, das Gefühl für den Moment zur Seite zu schieben, um weiter funktionieren zu können und nicht den Job zu verlieren, weil man die Kontrolle verloren hat und dem Chef an die Gurgel ging.

Bei der nächsten Gelegenheit aber, vielleicht abends anstelle des Fernsehprogramms, könnte man sich Zeit nehmen und sich die Situation wieder in Erinnerung rufen, so dass die Emotionen wieder hochkochen. Dann sollte man natürlich dem begeisterten Drang des Geistes, Öl ins Feuer zu schütten und sich nach Herzenslust aufzuregen, widerstehen und einfach nur beobachten, was an Emotionen aufsteigt und sie liebevoll und wohlwollend annehmen und da sein lassen. Bis sie sich entspannen, weil sie sich ausdrücken und gefühlt werden durften, und dann wieder vergehen. Wenn man möchte, könnte man sich die gleiche Situation nochmal in Erinnerung rufen, um zu schauen, was diesmal hochkommt. Man wird wahrscheinlich feststellen, dass jedes mal weniger hoch kommt, bis man daran denken kann, ohne dass noch irgendetwas hochkommt.

Das heißt natürlich nicht, dass wir zu allem Ja und Amen sagen und alles schlucken müssen. Wenn wir nicht von hoch kochenden Emotionen überwältigt werden, können wir Situationen sachlich analysieren. Wir können die Weisheit darüber bestimmen lassen, was jetzt klug und zum Wohle aller Beteiligten wäre, statt den Emotionen nachzugeben, die dazu neigen, Geschirr zu zerbrechen.

Mit dieser Praxis sind wir bereits beim siebten Schritt auf dem edlen Weg angekommen: bei der richtigen Achtsamkeit:

Da verweilt ein Bhikkhu, indem er den Körper als einen Körper betrachtet, Gefühle als Gefühle betrachtet, Geist als Geist betrachtet und Geistesobjekte als Geistesobjekte betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, nachdem er Habgier und Trauer gegenüber der Welt beseitigt hat.

In der Achtsamkeitspraxis nehmen wir klar bewusst wahr, was da ist, ohne es zu bewerten und aktiv einzugreifen. Wir sehen, was an Empfindungen im Körper wahrnehmbar sind (1. Grundlage: Körper), wie sich diese Empfindungen anfühlen: nämlich angenehm, unangenehm oder weder noch (2. Grundlage: Gefühl), welche Emotionenen das auslöst: Habgier, Ablehnung, etc (3. Grundlage: Herz) und wie unser Geist damit umgeht (4. Grundlage: Geistesobjekte, Gedanken). Die vier Grundlagen der Achtsamkeit detailliert zu erläutern würde den Rahmen hier sprengen. Wenn ihr einfach nur wohlwollend und freundlich beobachtet, was in euch vorgeht, ohne es zu bewerten, ohne etwas festzuhalten oder wegzudrücken, dann seid ihr wunderbar in der Achtsamkeitspraxis verankert. Bitte macht euch die Mühe, zu benennen/kommentieren, was ihr beobachtet. Das fördert die Klarbewusstheit und verhindert, dass ihr unbewusst weg driftet, wenn der Geist still wird. Denn der Geist wird still, wenn wir den Gedanken und Emotionen keine Nahrung zuführen. Wenn wir still beobachten, was da so kommt und geht, ohne einzugreifen, kommt der Geist irgendwann zur Ruhe und sammelt sich. Dann sind wir beim achten Schritt angelangt, der richtigen Sammlung:

Da tritt ein Bhikkhu ganz abgeschieden von Sinnesvergnügen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen, in die erste Vertiefung ein, die von anfänglicher und anhaltender Hinwendung des Geistes begleitet ist, und verweilt darin, mit Verzückung und Glückseligkeit, die aus der Abgeschiedenheit entstanden sind. Mit der Stillung der anfänglichen und anhaltenden Hinwendung des Geistes (zum Meditationsobjekt) tritt er in die zweite Vertiefung ein, die innere Beruhigung und Einheit des Herzens ohne anfängliche und anhaltende Hinwendung des Geistes enthält, und verweilt darin, mit Verzückung und Glückseligkeit, die aus der Konzentration entstanden sind. Mit dem Verblassen der Verzückung, in Gleichmut verweilend, achtsam und wissensklar, voll körperlich erlebter Glückseligkeit, tritt er in die dritte Vertiefung ein, von der die Edlen sagen: ‚Glückselig verweilt derjenige, der voll Gleichmut und Achtsamkeit ist‘, und verweilt darin. Mit dem Überwinden von Glück und Schmerz und dem schon früheren Verschwinden von Freude und Trauer, tritt er in die vierte Vertiefung ein, die aufgrund von Gleichmut Weder-Schmerzhaftes-noch-Angenehmes und Reinheit der Achtsamkeit in sich hat, und verweilt darin.

Ohne Zwang, ohne Druck, ohne den Geist zu verengen, sammelt er sich von selbst und erlangt die Konzentration, die ihn in die Vertiefungszustände führt. Ein ruhiger, gesammelter Geist kann die Dinge ungetrübt von Gier, Hass und Verblendung erkennen und sich vom Leid befreien.

Geh- und Sitzmeditation

Wir werden jetzt wie gestern eine halbe Stunde liebevolle Gehmeditation machen. Das beruhigt den Geist und bringt ihn in eine liebevolle, sanfte Stimmung. Ich würde euch raten, vor jeder Sitzmeditation den Geist durch Gehmeditation in eonen heilsamen Zustand zu bringen.

Danach werden wir eine halbe Stunde sitzen. Betrachtet in dieser Zeit, wie gestern gelernt, einfach aus dieser liebevollen, sanften Stimmung heraus das Heben und Senken der Bauchdecke. Kommentiert das Heben mit „Heben“ und Senken mit „Senken“, das hilft euch, klarbewusst zu bleiben und nicht wegzudösen. Wenn euch Gedanken durch den Kopf schießen, dann gebt ihnen keine Nahrung, indem ihr sie weiterführt, sondern kommentiert sie einfach mit „Denken“. Wenn die Gedanken bereits zu Emotionen geführt haben, dann betrachtet im Körper, wo und wie ihr sie fühlen könnt. Behandelt sie wie eine Freundin, der es gerade nicht gut geht. Leiht ihr eine Schulter, um sich auszuweinen, und wenn es wieder besser geht, darf sie auch wieder gehen. Freut euch einen Moment darüber, dass es dieser Emotion jetzt wieder besser geht, und geht dann wieder zurück zum Atem.

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