Vortrag über den Weg zur Unerschütterlichkeit (MN 106), Teil 1

Ich möchte heute gerne über die Ananjasappayasutta sprechen, nach der unser Kloster ja auch benannt ist. Ich chante sie sehr gerne, weil sie mich unheimlich inspiriert und motiviert. Allerdings ist es auch eine Lehrrede über sehr tiefe Zustände, die ich noch nicht erlebt oder gar durchschaut habe und es gibt vieles darin, das ich noch nicht verstehe. Ich kann auch nicht ausschliessen, dass ich nicht alles so verstehe, wie es vom Buddha gemeint war.
Trotzdem möchte ich sie mit euch durchgehen und das erläutern, was ich verstehe und wie ich es verstehe. Ich hoffe, es ist für euch ebenso inspirierend wie für mich.

Der Weg zum Unerschütterlichen
So habe ich gehört. Einmal hielt sich der Erhabene im Land der Kurus, bei einer Stadt der Kurūs namens Kammāsadhamma auf.
Dort richtete sich der Erhabene folgendermaßen an die Bhikkhus: „Ihr Bhikkhus.“
„Ehrwürdiger Herr“, erwiderten sie.
Der Erhabene sagte dieses:
„Ihr Bhikkhus, Sinnesvergnügen sind vergänglich, hohl, falsch, trügerisch, sie sind nur Schein, ihr Bhikkhus, die Unterhaltung von Narren. Sinnesvergnügen hier und jetzt und Sinnesvergnügen in künftigen Leben, Sinneswahrnehmungen hier und jetzt und Sinneswahrnehmungen in künftigen Leben, beide sind gleichermaßen Māras Gebiet, Māras Reich, Māras Köder, Māras Jagdgrund.
Ihretwegen entstehen diese üblen, unheilsamen Geisteszustände wie Habgier, Übelwollen und Anmaßung, und sie stellen ein Hemmnis für einen edlen Schüler in der Übung dar.

Gefahr der Sinnesvergnügen

Hier weist uns der Buddha auf die Gefahren der Sinnesvergnügen hin. Sie sind der Köder, den Mara auslegt, um uns in Samsara zu halten. Auf den ersten Blick scheinen sie ganz harmlos. Was ist an einem schönen Sonnenuntergang, an beseligender Musik, an wohlriechenden Düften, an schmackhaftem Essen und Trinken und angenehmen Berührungen wie das Streicheln einer Katze schlecht? 
Doch wie der Buddha im Gleichnis von der Schlange (MN22) so schön sagt:
„Ihr Bhikkhus, daß man sich ohne Sinnesbegierde in Sinnesvergnügen verwickelt, ohne Wahrnehmungen der Sinnesbegierde, ohne Gedanken der Sinnesbegierde – das ist unmöglich.“
Jedesmal, wenn wir angenehme Sinneskontakte als wünschenswert bewerten und sie willkommen heissen, verstricken wir uns noch mehr in Samsara. Es ist sehr leicht sich vorzumachen, man würde nicht daran hängen und es einfach geniessen, solange es da ist und ohne Reue gehen lassen, wenn es vorbei ist.
Ich bemerke meine Verstickung und mein Anhaften dann, wenn ich mich frage: wie wäre es, wenn ich nie wieder eine Katze streicheln könnte, den Duft von Zitronen riechen oder den Geschmack von Zwetschgenkuchen. Nie wieder angenehmes Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen oder Denken.
Nicht nur für eine Weile. Sondern für immer. Bis in alle Ewigkeit.

Nachdem Bhante Kaccayāna 2018 in der Mette Vihara gestorben war, hielt Bhante Nyanabodhi eine Rede darüber. Bhante Kaccayāna ging im Februar zum Augenarzt, weil er Probleme mit den Augen hatte. Er erhielt die Diagnose Leukämie, verbleibende Lebenserwartung max. 3-4 Monate.

Er erzählte, wie er im Frühjahr Bhante Kaccayāna beobachtet hatte, wie er ganz behutsam und hochachtsam an einer Rose geschnuppert hatte, im Wissen, dass er das zum letzten Mal erleben würde. Es gab kein nächstes Jahr, ein nächstes Mal mehr. Nur jetzt.
Diese Begebenheit inspirierte mich dazu, mich immer wieder zu hinterfragen, was ich bei der Vorstellung empfinde, dass ich etwas nie wieder erleben würde. Besonders, wenn ich denke, dass da keine Anhaftung mehr ist.
Meistens kommt in mir kein friedvolles ‚Ok‘ in mir hoch. Sondern sehr viel Wehmut und Neiiiiiiiiiiiiiin-Geheule.
Da ist offensichtlich doch noch sehr viel Anhaftung da. Und sie wird nicht kleiner, wenn ich die Augen vor den Tatsachen verschliesse. Und mich weiterhin in Sinnesvergnügen verwickeln lasse.

Was ist Wahrnehmung?

Der Buddha erwähnt hier nicht nur die Sinnesvergnügen an und für sich, sondern auch die Wahrnehmung von Sinnesvergnügen. Was meint er damit? Wie sollen wir Sinnesvergnügen erleben, ohne sie überhaupt wahrzunehmen? Um das zu verstehen, müssen wir wissen, was saññā, das üblicherweise mit Wahrnehmung übersetzt wird, eigentlich genau ist.
Saññā ist ein Kompositum, zusammengesetzt aus sam, zusammen, und wissen, ñāna.
Also Zusammenwissen. Das Erleben von Sinneskontakten ist erstmal ein Erleben von Formen und Farben, Tönen, Gerüchen etc. Die Wahrnehmung liefert uns die weiteren Details: nicht nur Farben und Formen, sondern ein Sonnenuntergang. Nicht nur ein Geruch, sondern der Duft von Zitronen. Wir nehmen nicht nur den Sinneskontakt wahr, sondern auch all die dazugehörigen geistigen Vorstellungen, die mit diesem Sinneskontakt verknüpft sind. Wenn ich morgens in der Meditationshalle sitze und die Vögel pfeifen höre, höre ich nicht einfach nur das Zwitschern. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Vögel in den Bäumen sitzen und freudig den Tag begrüssen. Ich sehe ganz klar, welche Art von Vögeln es sind, ob Dompfaffe oder Meisen oder Spechte und auch, welche Bäume. Ob Ahorn oder Fichte oder Buche. Dabei sitze ich mit geschlossenen Augen in der Meditation und sehe rein gar nichts.
Obwohl ich mit geschlossenen Augen dasitze, ist es mir nicht möglich, wenn ich das Zwitschern höre, nicht zu wissen, dass es von einem Vogel stammt. Ich weiss, dass es ein Zwitschern ist und kein Bellen oder vorbeifahrendes Auto. Dieses Wissen ist saññā. Es hat noch nichts mit sankhāras zu tun. Die kommen erst ins Spiel, wenn ich anfange, mir über das Gezwitscher Gedanken zu machen: Warum ist das so laut? Ist ein Fenster offen? Oder ist die Halle so entsetzlich schlecht isoliert?
Wie die Wahrnehmung arbeitet können wir erleben, wenn wir einen Sinneskontakt nicht zuordnen können. Dann werden alle verfügbaren abgespeicherten Informationen abgerufen um  herauszufinden, wonach etwas riecht oder schmeckt oder klingt.
Anhand von Fremdsprachen können wir das Phänomen leichter verstehen. Wenn wir ein fremdsprachiges Wort hören, das wir nicht kennen, hören wir einfach nur den Klang des Wortes. Es steigt kein geistiges Bild auf, wenn wir nicht wissen, was z.B. oiseau bedeutet. Wenn ich aber Französisch beherrsche, dann weiss ich, dass oiseau Vogel bedeutet. Und ich kann das Wort nicht hören, ohne dass die Vorstellung eines Vogels in meinem Geist aufsteigt.
Das Erleben von den Sinnesvergnügen ist eine körperliche Angelegenheit. Mal abgesehen vom Denksinn natürlich.
Das Wahrnehmen von Sinnesvergnügen ist eine geistige Angelegenheit. Die wir auch wiederholen können. Wir können ein Sinneserlebnis geistig nochmals erleben, indem wir es uns einfach nur vorstellen Wir können uns sogar Sinnesvergnügen vorstellen, die wir gar nie körperlich erlebt haben.
Das ist beim Körper nicht möglich. Körperlich kann ich nur erleben, was jetzt gerade tatsächlich stattfindet.
Wenn ich von Vorstellungen spreche, spreche ich also nicht davon, über etwas nachzudenken und mir Gedanken über etwas zu machen, sondern den geistigen Vorgang, der etwas Bekanntes erkennt und etwas Unbekanntes einzuordnen versucht. Und das wir im Geist unanhängig von äusserlich vorhandenen Objekten reproduzieren können. Ich kann das Bild von einem zwitschernden Vogel in einer Tanne in meinem Geist erzeugen, ohne überhaupt Vogelgezwitscher zu hören. Nur, weil es mir Spass macht.

Das Erleben von Sinnesvergnügen und das geistige Vorstellen von Sinnesvergnügen sind also beide Maras Jagdrevier, Maras Köder. Von dem wir uns besser fernhalten sollten. Doch wie?

Da, ihr Bhikkhus, erwägt ein edler Schüler folgendes:
,Sinnesvergnügen hier und jetzt und Sinnesvergnügen in künftigen Leben, Sinneswahrnehmungen hier und jetzt und Sinneswahrnehmungen in künftigen Leben, beide sind gleichermaßen Māras Gebiet, Māras Reich, Māras Köder, Māras Jagdgrund.
Ihretwegen entstehen diese üblen, unheilsamen Geisteszustände wie Habgier, Übelwollen und Anmaßung, und sie stellen ein Hemmnis für einen edlen Schüler in der Übung dar.
Angenommen, ich verweilte mit einem erweiterten und erhöhten Herzen, nachdem ich die Welt transzendiert und einen festen Entschluss mit dem Geist gefasst habe.
Wenn ich so verfahre, wird es keine üblen, unheilsamen Geisteszustände wie Habgier, Übelwollen und Anmaßung mehr in mir geben, und mit deren Überwindung wird mein Geist unbegrenzt, unermesslich und wohl entfaltet sein.‘

Der weite, unbegrenzte Geist

Den Ausruck mit einem erweiterten und erhöhten Herzen zu verweilen, unbegrenzt und unermesslich, kennen wir vom Chanting der 4 Unermesslichen, den Brahmaviharas. Nur kommt hier weder Metta, noch Karuna, noch Mudita oder Gleichmut vor.
Wenn wir das Chanting der Vier Unermesslichen nicht einfach nur runterleiern, sondern wirklich praktizieren, bekommen wir ein Gefühl für einen erweiterten, grenzenlosen, unermesslichen Geist. Wenn wir ein Gefühl dafür bekommen haben, unseren Geist zu erweitern, können wir das auch tun, ohne ihn mit Metta etc. zu füllen.
Das können wir natürlich in der Meditation üben, aber das bedeutet nicht, dass wir den Geist jenseits der Meditation nicht ebenfalls erweitern können und sollen. Wir können uns im ganz normalen Alltag daran erinnern (erwägt ein Schüler folgendes), das Wollen und Nichtwollen loszulassen (die Welt transzendieren) und uns fest vornehmen, beständig mit einem weiten, grenzenlosen Geist zu verweilen (festen Entschluss fassen).
Solange es uns gelingt, diesen Entschluss aufrechtzuerhalten, sind wir vor Mara sicher und es wird weder Gier noch Hass noch Vergleichen in uns aufsteigen.

Wenn er auf diese Weise übt und häufig so verweilt, erlangt sein Geist Zuversicht in Bezug auf diese Grundlage.

Wir üben das, indem wir uns im Alltag immer wieder daran erinnern, unser Herz offen und weit zu halten. Je öfter wir es üben, umso leichter fällt es uns, uns diesem Zustand zu zuwenden und darin zu verweilen.
In der Meditation könen wir wunderbar üben, längere Zeit, ja eine ganze Stunde lang mit weitem Geist zu verweilen. Je leichter es uns fällt, da wir es oft üben, umso mehr erkennt der Geist, wie wohltuend das ist und dass wir dort vor unangenehmen, schädlichen Zuständen in Sicherheit sind. Unser Geist macht uns das Leben ja nur deshalb so schwer, weil er uns mit aller Kraft vor Schaden beschützen will. Er verzweifelt an uns, weil wir einfach nicht begreifen wollen, dass Schutz und Sicherheit oberste Priorität haben. Dass es uns gut geht, ist nett, aber nicht so wichtig. Dass wir in Sicherheit sind, das ist wichtig. Wenn der Geist Zuversicht gewinnt, dass wir in Sicherheit sind, wenn wir den Geist erweitern, dann wird er alles daran setzen, dass wir sooft wie nur irgendmöglich so verweilen.
Wir müssen deswegen nicht unsere Meditationsmethode ändern. Welche Methode wir auch immer benutzen, wir können immer darauf achten, ob unser Geist grenzenlos ist und ihn gegebenenfalls neu ausrichten. Falls es Teil unserer Methode ist, das Entstehen und vergehen von Geisteszuständen zu betrachten, so können wir diese liebevoll und mitfühlend, voll Verständnis und Anteilnahme für ihr Unglücklichsein in der Unermesslichkeit unseres Geistes betrachten.

Sobald volle Zuversicht vorhanden ist, erlangt er entweder gleich das Unerschütterliche oder ansonsten entschließt er sich zur Weisheit.

Wenn das Vertrauen in diesen Geisteszustand vollkommen ist, verweilt der Geist ohne Unterlass darin. Dann kann ihn nichts mehr erschüttern. Haftet er an dieser Unerschütterlichkeit an, so hat er das Unerschütterliche erlangt.
Oder aber er entschliesst sich zur Weisheit – und lässt los. Befreit sich vom Leiden.
Wofür sich der Geist entscheidet, ob für Unerschütterlichkeit oder für Befreiung, unterliegt nicht unserer Kontrolle.
Wenn er bereit ist, alles Anhaften loszulassen, so tut er das. Ist er (noch) nicht bereit, entscheidet er sich für das, was ihm zu dem Zeitpunkt möglich ist: Unerschütterlichkeit.

Bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, ist es möglich,
dass dieses sein weiterführendes Bewusstsein zum Unerschütterlichen weitergeht.

Daseinsbereich der Unerschütterlichkeit

Hier bin ich tatsächlich überfragt, was mit dem Daseinsbereich der Unerschütterlichkeit gemeint sein könnte. Spontan würde ich sagen, es ist der Daseinsbereich, der der vierten Vertiefung entspricht. Gleichmut und Unerschütterlichkeit sind meiner Ansicht nach aber nicht dasselbe und es geht hier meinem Verständnis nach auch nicht um Vertiefungen. Es wird ja auch nirgendwo von Upekkha gesprochen und auch beim Verweilen mit einem erhöhten Herzen ist nicht von Gleichmut die Rede.
Es könnte aber auch durchaus sein, dass, wenn man in der Lage ist, jederzeit in einem erweiterten, grenzenlosen Geist verankert zu bleiben, so viel Gleichmut entwickelt, man sofort in der vierten Vertiefung landet, sobald man sich hinsetzt. Wie gesagt: ich weiss es nicht.
Ich finde es schlussendlich auch nicht so wahnsinnig wichtig, in welchen Daseinsbereich das Bewusstsein nach dem Tode weitergeht. Das kann ich ja ohnehin nicht steuern. Ich kann hier und jetzt mich um das Bestmögliche bemühen und nach dem Tode passiert, was eben passiert. Und das weitergehende Bewusstsein landet, wo es eben landet.

Dies, ihr Bhikkhus, wird als der erste Weg, der auf das Unerschütterliche ausgerichtet ist, verkündet.

Die vier grossen Elemente

Nun mag es sein, dass jemandem die Brahmaviharas nur schwer zugänglich sind und man kein Gefühl für einen erweiterten Geist bekommt. Für diejenigen gibt es zum Glück nicht nur diesen einen Weg, unerschütterlich zu werden. Bekanntlich führen viele Wege nach Rom.

Wiederum, ihr Bhikkhus, erwägt ein edler Schüler so:
,Sinnesvergnügen hier und jetzt und Sinnesvergnügen in künftigen Leben, Sinneswahrnehmungen hierund jetzt und Sinneswahrnehmungen in künftigen Leben; was es auch immer an materieller Form gibt, jegliche materielle Form besteht aus den vier großen Elementen und materielle Form stammt von den vier großen Elementen ab.‘
Wenn er auf diese Weise übt und häufig so verweilt, erlangt sein Geist Zuversicht in Bezug auf diese Grundlage.
Sobald volle Zuversicht vorhanden ist, erlangt er entweder auf der Stelle das Unerschütterliche oder ansonsten entschließt er sich zur Weisheit.
Bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, ist es möglich, dass dieses sein weiterführendes Bewusstsein zum Unerschütterlichen weitergeht.
Dies, ihr Bhikkhus, wird als der zweite Weg, der auf das Unerschütterliche ausgerichtet ist, verkündet.

Wir können darüber Reflektieren, dass alles, was ausserhalb unseres Geistes existiert, nur aus den grossen Elementen besteht. Unser Körper und alle Körper und Dinge ausserhalb von uns. Sie alle haben keine eigene Entität, sondern sind nur Temperatur (Feuerelement), Festigkeit (Erdelement), Bewegung (Windelement), und Haftung (Wasserelement). Sie sind auch aus gar nichts anderem entstanden als aus Feuer, Erde, Luft und Wasser. Es sind immer nur die vier grossen Elemente, die ihre Form ändern.
Alles was an Materie existiert, besteht aus Atomen. Etwas über Hundert, wenn ich mich recht an das Periodensystem erinnere. Aber die vielen verschiedenen Atome bestehen alle aus den gleichen vier Komponenten. Protonen, die für Masse sorgen; Erdelement. Neutronen, die mit hoher Geschwindigkeit den Protonenkern umkreisen; Windelement. Elektronen, die sich aufgrund ihrer elektrischen Ladung mit anderen Atomen verbinden oder abstossen; Wasserelement. Das Ganze wird von Energie betrieben; Feuerelement. Ich bin keine Physikerin und der Physikunterricht ist lange her. Wer auch immer sich mit der Materie auskennt und meine Darstellung als etwas gar vereinfacht oder als nicht ganz korrekt betrachtet, möge mir bitte verzeihen.
Jedenfalls besteht absolut alles Materielle aus diesen vier Bausteinen: Protonen, Elektronen, Neutronen und Energie. Sonst nichts. Da ist kein Ich, kein Selbst, und schon gar kein Mein.
Indem man die Unpersönlichkeit der Dinge betrachtet, erlangt der Geist Unerschütterlichkeit bezüglich der materiellen Dinge.
Haftet er an dieser Unerschütterlichkeit an, so hat er das Unerschütterliche erlangt.
Oder er entschliesst sich zur Weisheit – und lässt los. Befreit sich vom Leiden.

Betrachtung der Vergänglichkeit

Wiederum, ihr Bhikkhus, erwägt ein edler Schüler so:
,Sinnesvergnügen hier und jetzt und Sinnesvergnügen in künftigen Leben, Sinneswahrnehmungen hierund jetzt und Sinneswahrnehmungen in künftigen Leben,
materielle Formen hier und jetzt und materielle Formen in künftigen Leben, Wahrnehmungen von Formen hier und jetzt und Wahrnehmungen von Formen in künftigen Leben, beide sind vergänglich.
Was vergänglich ist, ist es nicht wert, sich daran zu ergötzen, nicht wert, es willkommen zu heißen, nicht wert, daran festzuhalten.‘
Wenn er auf diese Weise übt und häufig so verweilt, erlangt sein Geist Zuversicht in Bezug auf diese Grundlage.
Sobald volle Zuversicht vorhanden ist, erlangt er entweder gleich das Unerschütterliche oder ansonsten entschließt er sich zur Weisheit.
Bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, ist es möglich, dass dieses sein weiterführendes Bewusstsein zum Unerschütterlichen weitergeht.
Dies, ihr Bhikkhus, wird als der dritte Weg, der auf das Unerschütterliche ausgerichtet ist, verkündet.

Nun mag es Menschen geben, die weder zur Erweiterung des Geistes noch zur Betrachtung der Elemente einen Zugang haben. Für die gibt es einen weiteren Weg: Die Betrachtung der Vergänglichkeit.
Genau wie einen unermesslichen Geist oder die Betrachtung der Unpersönlichkeit muss man das nicht nur in der Meditation üben, sondern zu einem Bestandteil seines Alltags machen. Wann immer wir physisch mit Sinnesvergnügen konfrontiert sind oder geistig mit Vorstellungen davon, mit materiellen Formen oder mit Vorstellungen von materielle Formen, sollten wir uns bewusst machen, dass sie vergänglich sind und somit nicht wert, sich faszinieren zu lassen oder ihnen einen Wert und eine Wichtigkeit zu geben, die sie gar nicht haben. Wenn uns diese Betrachtungsweise in Fleisch und Blut übergegangen ist, lassen wir uns weder von Sinnesvergnügen noch von materiellen Formen oder geistigen Vorstellungen davon erschüttern. Wir lassen uns auch nicht mehr von den Unzulänglichkeiten des Körpers erschüttern, an dem wir so haften.
Haftet der Geist an dieser Unerschütterlichkeit an, so hat er das Unerschütterliche erlangt.
Oder er entschliesst sich zur Weisheit – und lässt los. Befreit sich vom Leiden.

Der Buddha hat uns nun drei verschiedene Wege aufgezeigt, wie wir dem Hin- und Hergezerrtwerden durch die Welt und ihren Verlockungen entgehen können. Wenn wir jedoch an dieser Unerschütterlichkeit anhaften, verbauen wir uns die Befreiung. Denn ein Geist, der von Anhaftung betroffen ist, erlangt Nibbāna nicht. Im weiteren Verlauf der Lehrrede geht es nun darum, auch diese subtile Anhaftung zu überwinden.
Wie das geht, werde ich euch nächsten Donnerstag erklären.

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