Vortrag über heilsame und unheilsamen Geisteszustände bei der Meditationsgruppe Würzburg

Nun bin ich schon seit zwei Wochen bei der lieben Gopana und ihren Metta-Objekten (den beiden Hunden, den 6 Katzen und der Schildkröte) zu Besuch. Am Samstag hatte sie zwei Freundinnen von der Meditationsgruppe Würzburg eingeladen, sich unserer allabendlichen Puja und der Meditation anzuschließen.

Spontan luden mich die beiden im Anschluss ein, am nächsten Tag mit ihrer Meditationsgruppe zu meditieren und einen kleinen Vortrag zu halten. Eine Einladung, die ich mit großer Freude annahm.

Mein kleiner Vortrag über das Überwinden von unheilsamen Geisteszuständen und Entfalten von heilsamen Geisteszuständen stieß auf reges Interesse und wir sprachen noch lange über hilfreichen und schädlichen Umgang mit schwierigen Emotionen.

Was ich im Vorfeld vorbereite und was beim Vortrag dann tatsächlich aus mir herausfließt, deckt sich nicht immer zu 100%.

Trotzdem möchte ich allen Interessierten hier gerne zugänglich machen, was ich für den Vortrag vorbereitet hatte:

Heilsame Geisteszustände entfalten

Ich hoffe, ihr hattet eine friedvolle Meditation, ohne Schmerzen oder kreisende Gedanken. Leider kennen wir das wohl alle, dass die Meditation ganz und gar nicht so verläuft, wie wir uns das gewünscht hatten. Schuld daran sind in der Regel unheilsame Geisteszustände. Wie wir sie überwinden und heilsame Geisteszustände entfalten können, darüber möchte ich heute gerne sprechen.

Am Ende von MN 61, Dem Rat an Rahula bei Ambalatthika, ermahnt der Buddha seinen Sohn Rahula, jede seiner geistigen, sprachlichen oder körperlichen Handlungen vor, während und nach der Ausführung gründlich auf Heilsamkeit zu prüfen. Sollte sich selbst nach der dritten Reflektion herausstellen, dass diese Handlung weder ihm noch dem anderen noch beiden geschadet hat, so kann er froh verweilen, während er sich Tag und Nacht in heilsamen Geisteszuständen übt.

Was sind diese heilsamen Geisteszustände?

Nebst den Jhanas, die per Definition frei von unheilsamen Geisteszuständen sind, sind dies die vier unermesslichen Geisteszustände: Wohlwollen, häufig auch mit Liebender Güte übersetzt (Metta), Mitgefühl ( Karuna), Mitfreude (Mudita) und Gleichmut (Upekkha).

Wie übt man sich in diesen Zuständen?

Im 6. Schritt des edlen achtfachen Pfads, der zur Befreiung vom Leid führt, erläutert der Buddha, wie und in welcher Reihenfolge wir uns um das Heilsame bemühen sollen.

  1. Das Unheilsame nicht aufsteigen lassen. Unheilsame Geisteszustände entstehen als Folge dessen, was wir denken. Wenn es uns gelingt, die Gedanken zu vermeiden oder zumindest zu stoppen, die unheilsame Emotionen wie Wut oder Ärger oder Missgunst in uns auslösen, so ist es uns gelungen, das Unheilsame nicht aufsteigen zu lassen.
  2. Das bereits aufgestiegene Unheilsame nicht anwachsen lassen. Waren wir unachtsam und die unheilsame Emotion hat sich bereits im Geist ausgebreitet, so können wir uns jetzt darum bemühen, die Gedanken, die sie erzeugt hat zu stoppen und die ausgelösten unangenehmen Gefühle zu heilen.
  3. Das noch nicht aufgestiegene Heilsame aufsteigen lassen. Nachdem wir unheilsame Gedanken aus unserem Geist entfernt haben, entstehen ganz natürlicherweise heilsame Geisteszustände. Wir müssen ihnen lediglich den Raum geben sich zu entfalten. Wir müssen nichts erzeugen: es ist alles da.
  4. 5. Das aufgestiegene Heilsame bewahren und vervollkommnen. Indem wir unsere Achtsamkeit auf vorhandene heilsame Zustände richten, nähren wir diese Zustände, so dass sie wachsen und gedeihen können, bis für nichts Unheilsames mehr Platz ist.

In AN 6.13 erläutert der Buddha, dass die heilsamen Zustände entwickelt werden, indem die unheilsamen überwunden werden:

Es möchte da, ihr Mönche, ein Mönch von sich behaupten: »Die gemütserlösende Güte habe ich entfaltet, häufig geübt, zur Richtschnur und Grundlage genommen, sie betätigt, erweitert, zur Vollendung gebracht; und dennoch hält der Hass meinen Geist gefesselt.« Einem solchen hätte man zu erwidern: »Nicht doch! Sage das nicht, Verehrter! … Nicht möglich ist es, Verehrter, es ist ausgeschlossen, dass einem, der die gemütserlösende Güte entfaltet, sie häufig geübt, zur Richtschnur und Grundlage genommen, sie betätigt, erweitert, zur Vollendung gebracht hat, dennoch der Hass den Geist gefesselt hält. Das ist nicht möglich. Denn im Entrinnen vom Hass besteht ja eben die gemütserlösende Güte.«

Dasselbe sagt er von Mitgefühl:

Denn im Entrinnen vom Feindseligkeit, Schädigung, Grausamkeit und Gewalttätigkeit besteht ja eben das gemütserlösende Mitgefühl.

Von Mitfreude:

Denn im Entrinnen von Missmut, Unlustgefühl und Missgunst besteht ja eben die gemütserlösende Mitfreude. 

Und Gleichmut:

Denn im Entrinnen vom Begehren besteht ja eben der gemütserlösende Gleichmut.

Bevor wir also wirkliches Wohlwollen, Mitgefühl, Mitfreude oder gar Gleichmut entfalten können, müssen wir ihre unheilsamen Gegenspieler erkennen und ihnen die Nahrung entziehen.

In der Achtsamkeitsmeditation, dem 7. Schritt auf dem edlen achtfachen Pfad, lassen wir unsere Konzentration nur so leicht auf dem Atem ruhen, dass unser Geist im Hier und Jetzt bleibt und nicht abdriftet. Die Konzentration ist aber nicht so stark, dass wir ausser dem Atem nichts anderes mehr wahrnehmen. Der Geist soll sich nicht verschließen, sondern offen und weit bleiben, entspannt aber achtsam.

Was auch immer in unserem Geist auftaucht, wird auf Heilsamkeit überprüft. Wir erzeugen nichts, wir unterdrücken nichts: wir beobachten nur, was auftaucht.

Das wird in erster Linie Unheilsames sein:

Unangenehme oder schmerzhafte Körperempfindungen, die wir loswerden möchten: das ist Ablehnung, Hass.

Und uns zwingen, sie stoisch auszuhalten: das ist Grausamkeit.

Erinnerungen an angenehme vergangene Situationen, nach denen wir uns zurücksehnen: Begehren.

Erinnerungen an unangenehme vergangene Situationen, von denen wir uns einen anderen Verlauf gewünscht hätten: Ablehnung, Hass, Grausamkeit.

Gedanken und Pläne an die Zukunft: Hoffnungen oder Sorgen/Angst: Begehren und Hass

Wenn wir diesen Gedanken, die ohne unser Zutun auftauchen, Nahrung geben, so werden sie unheilsame Geisteszustände erzeugen. 

Dies können wir ganz leicht vermeiden, indem wir freundlich und ohne Ablehnung benennen, was da gerade in unserem Geist auftaucht. Wir können nämlich nicht zwei Sachen gleichzeitig denken. Wir können zwar sehr schnell wechseln, was wir dann für Multitasking halten. Aber zwei Dinge gleichzeitig denken, das geht nicht.

Wenn wir also gerade an ein Gespräch denken, das uns genervt hat, so können wir benennen, was der Geist gerade tut: denken, denken, denken. Oder Ablehnung, Ablehnung, Ablehnung. Oder Begehren, Begehren Begehren, falls die Gedanken sich um einen alternativen Ausgang des Gesprächs gedreht hatten.

Es ist gut, es dreimal zu benennen: dadurch werden die Erinnerung und die Gedanken dazu länger unterbrochen und wir kommen leichter aus dem Gedankenkarussel heraus. 

Dann lassen wir es los und kehren zur sanften Betrachtung des Atems zurück. Dadurch geben wir der Erinnerung und den dazugehörigen ärgerlichen Gedanken keine Nahrung. Je öfter und konsequenter wir negativen Gedanken die Nahrung entziehen, um so seltener steigen sie auf.

Obwohl die Gedanken unterbrochen wurden, kann es sein, dass Emotionen bereits aufgestiegen sind und körperliches Unwohlsein ausgelöst haben. In dem Fall ist es ratsam, sich liebevoll und mitfühlend dieser unangenehmen Empfindungen zuzuwenden und ihnen beizustehen.

Eine liebevolle Mutter würde ihr kleines Kind, das sich gestossen hat, ja auch nicht ignorieren, sondern es in den Arm nehmen, bis die Schmerzen verflogen sind. Wenn man körperliche Empfindungen nicht ignoriert oder gar unterdrückt, sondern sich ihnen umarmend zuwendet und ihnen geduldig erlaubt, da zu sein, dann können sie sich entspannen, heilen und sich auflösen, wenn die Zeit reif ist. Was Emotionen brauchen, ist Wohlwollen, Raum und Zeit, um heilen zu können.

Wenn wir unseren Geist wohlwollend betrachten und sehen, dass wir das vorhandene Unheilsame durch geschicktes Vorgehen und Mitgefühl überwunden haben, können wir uns für uns freuen und mit frohen Herzen fortfahren, unseren Geist zu betrachten.

Ohne irgendwie etwas erzeugen zu wollen, entstehen ganz natürlich die erhabenen Geisteszustände: Da kein Habenwollen oder Loswerdenwollen vorhanden ist, betrachten wir entspannt und wohlwollend unseren Geist (Metta), heilen mit Verständnis und Mitgefühl die im Körper abgelagerten unheilsamen Emotionen (Karuna), erfreuen uns an unserem Erfolg, Unheilsames zu heilen (Mudita) und sind frei von Begehren, da wir nichts ablehnen oder anders haben möchten (Upekkha). 

Je länger und öfter es uns gelingt, so zu verweilen, umso leichter fällt es uns, negative Zustände zu erkennen und aufzulösen und die heilsamen Geisteszustände werden zu einer Gewohnheit. In schwierigen Alltagssituationen reagieren wir nicht mehr so impulsiv, sondern betrachten nur, was in unserem Geist gerade vor sich geht, heilen unsere Emotionen und können uns für eine weise und heilsame Reaktion entscheiden. 

Da uns unser Haben-Wollen und Nicht-Haben-Wollen im Leiden hält, können wir uns Schritt für Schritt vom Begehren lösen, bis wir es ganz loslassen können und endgültige Befreiung erfahren. 

Eine Antwort zu „Vortrag über heilsame und unheilsamen Geisteszustände bei der Meditationsgruppe Würzburg“

  1. Avatar von Marcel
    Marcel

    Danke🙏🏽

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