Karma – Praxistag mit der Theravadagruppe Salzburg

Zum zweiten Mal wurde ich von den lieben Praktizierenden der Theravadagruppe Salzburg zu einem Praxistag eingeladen. Gemeinsam beleuchteten und erforschten wir die verschiedenen Aspekte von Karma, dem Gesetz von Ursache und Wirkung:

Warum sich überhaupt mit Karma befassen? Welchen Nutzen bringt es, sich mit einem philosophischen System zu befassen, das erklärt, warum jemandem gerade dies zustösst oder jenes nicht widerfährt? Was nützt es, wenn wir eine Erklärung dafür haben, warum dieser und jener Glück hat und dieser und jener Pech?

Gar nichts. Die Auswirkungen von Karma gehören selbstverständlich dazu, sind aber nicht das, womit wir uns beschäftigen sollten. Sie geben uns lediglich die Motivation, DASS wir uns damit beschäftigen sollten:

MN 130 Die Götterboten

1. So habe ich gehört. Einmal hielt sich der Erhabene bei Sāvatthī im Jeta Hain, dem Park des Anāthapiṇḍika auf. Dort richtete er sich folgendermaßen an die Bhikkhus: „Ihr Bhikkhus.“ – „Ehrwürdiger Herr“, erwiderten sie. Der Erhabene sagte dieses:

2. „Ihr Bhikkhus, angenommen, es gäbe es zwei Häuser mit Türen, und ein Mann mit guter Sehkraft stünde zwischen ihnen und sähe, wie die Leute die Häuser betreten und verlassen und an ihm vorbeigehen. Genau so sehe ich mit dem Himmlischen Auge, das geläutert und dem menschlichen überlegen ist, die Wesen sterben und wiedererscheinen, niedrige und hohe, schöne und häßliche, in Glück und Elend.

Ich verstehe, wie die Wesen ihren Handlungen gemäß weiterwandern: ‚Diese geschätzten Wesen, die sich mit Körper, Sprache und Geist wohl benommen haben, die die Edlen nicht geschmäht haben, die richtige Ansichten hatten und diesen in ihren Taten Ausdruck verliehen, sind bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode an einem glücklichen Bestimmungsort wiedererschienen, entweder in der Menschenwelt oder sogar in der himmlischen Welt. 

Aber diese geschätzten Wesen, die sich mit Körper, Sprache und Geist übel benommen haben, die die Edlen geschmäht haben, die falsche Ansichten hatten und diesen in ihren Taten Ausdruck verliehen, sind bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode in Umständen, die von Entbehrungen geprägt sind wiedererschienen: an einem unglücklichen Bestimmungsort, im Tierreich, im Hungergeisterbereich, ja sogar in der Hölle.

 3. „Die Wächter der Hölle packen nun solch ein Wesen an den Armen und schleppen es vor König Yama, den Totengott,  mit den Worten: ‚Majestät, dieser Mann hat seine Mutter schlecht behandelt, hat seinen Vater schlecht behandelt, hat Mönche schlecht behandelt, hat Brahmanen schlecht behandelt; er hat keinen Respekt vor seinen Familienoberhäuptern. Majestät befehle seine Bestrafung.’“

4. „Dann setzt König Yama ihn unter Druck, befragt ihn und nimmt ihn über die fünf Götterboten ins Kreuzverhör: ‚Guter Mann, hast du denn die Götterboten nicht in der Welt erscheinen sehen?‘ Er sagt: ‚Das habe ich nicht, ehrwürdiger Herr.‘ 

Dann sagt König Yama: ‚Guter Mann, hast du denn niemals in der Welt ein junges, zartes Kleinkind unbeholfen daliegen sehen, wie es sich mit seinem eigenen Kot und Urin besudelt?‘ 

Oder einen Mann oder eine Frau mit achtzig, neunzig oder hundert Jahren gesehen, gealtert, krumm wie ein Dach, gekrümmt, auf einen Stock gestützt, wackelig, gebrechlich, mit entschwundener Jugendlichkeit, mit schadhaften Zähnen, grauhaarig, mit schütterem Haar, kahl, runzelig, mit ganz fleckigen Gliedern?‘

Oder einen kranken Mann oder eine kranke Frau, leidend und schwer erkrankt, mit dem eigenen Kot und Urin besudelt daliegend, von einigen aufgehoben und von anderen abgesetzt?‘

Oder einen Mann oder eine Frau, schon einen, zwei oder drei Tage lang tot, aufgedunsen, blau angelaufen, aus denen Flüssigkeiten heraussickern?‘ 

„Dann sagt König Yama: ‚Guter Mann, ist dir – einem intelligenten und reifen Mann – niemals eingefallen: ‚Auch ich bin der Geburt unterworfen, dem Alter, der Krankheit und dem Tod. ich kann weder der Geburt noch dem Alter noch der Krankheit noch dem Tod entgehen, gewiß sollte ich besser mit Körper, Sprache und Geist Gutes tun?‘ 

Er sagt: ‚Ich konnte nicht, ehrwürdiger Herr, ich war nachlässig.‘ Dann sagt König Yama: ‚Guter Mann, durch Nachlässigkeit hast du es versäumt, mit Körper, Sprache und Geist Gutes zu tun. Gewiß werden sie mit dir entsprechend deiner Nachlässigkeit verfahren. Aber diese deine üble Handlung wurde nicht von deiner Mutter oder deinem Vater begangen, oder von deinem Bruder oder deiner Schwester, oder von deinen Freunden und Gefährten, oder von deinen Verwandten und Angehörigen, oder von Mönchen und Brahmanen, oder von Göttern: diese üble Handlung wurde von dir selbst begangen, du selbst wirst ihre Folgen erfahren.’“

Hast du denn niemals in der Welt gesehen, wenn ein überführter Räuber gefaßt wird, wie Könige ihm viele Arten von Folter auferlegen lassen: wie sie ihn auspeitschen lassen, mit Stöcken schlagen, mit Knüppeln schlagen lassen; wie sie ihm die Hände abhacken lassen, die Füße abhacken, Hände und Füße abhacken, die Ohren abschneiden, die Nase abschneiden, Ohren und Nase abschneiden lassen; wie sie den ‚Breitopf‘ anwenden lassen, die ‚Muschelschalen-Rasur‘, den ‚Mund Rāhus‘, den ‚glühenden Kranz‘, die ‚Flammenhand‘, die ‚Grasklingen‘, das ‚Rindenkleid‘, die ‚Antilope‘, die ‚Fleischhaken‘, die ‚Münzen‘, das ‚Laugenpökeln‘, den ‚Drehpflock‘, den ‚zusammengerollten Strohsack‘; wie sie ihn mit siedendem Öl besprengen lassen, ihn den Hunden zum Fraß vorwerfen lassen, ihn lebendig pfählen und ihm den Kopf mit einem Schwert abschlagen lassen?‘

Er sagt: ‚Das habe ich, ehrwürdiger Herr.‚“

Dann sagt König Yama: ‚Guter Mann, ist dir – einem intelligenten und reifen Mann – niemals eingefallen: Jene, die üble Handlungen begehen, bekommen solche Foltern der verschiedensten Art hier und jetzt auferlegt; wieviel mehr noch im Jenseits? Gewiß sollte ich besser mit Körper, Sprache und Geist Gutes tun?‘

Er sagt: ‚Ich konnte nicht, ehrwürdiger Herr, ich war nachlässig.‘ 

Dann sagt König Yama: ‚Guter Mann, durch Nachlässigkeit hast du es versäumt, mit Körper, Sprache und Geist Gutes zu tun. Gewiß werden sie mit dir entsprechend deiner Nachlässigkeit verfahren. Aber diese deine üble Handlung wurde nicht von deiner Mutter oder deinem Vater begangen, oder von deinem Bruder oder deiner Schwester, oder von deinen Freunden und Gefährten, oder von deinen Verwandten und Angehörigen, oder von Mönchen und Brahmanen, oder von Göttern: diese üble Handlung wurde von dir selbst begangen, du selbst wirst ihre Folgen erfahren.’“

9. „Dann, nachdem König Yama ihn unter Druck gesetzt hat und über die fünf Götterboten befragt und ins Kreuzverhör genommen hat, schweigt er.“

10. „Die Wächter der Hölle foltern ihn auf vielfältigste Weise und der Mann durchlebt in den verschiedenen Höllen mannigfache Qualen. 

Die Details erspare ich euch. 

Wie nun macht man mit Körper, Sprache und Geist Gutes?

Was bewirkt Karma? Wo entsteht es, wo wirkt es, wo pflanzt es sich in die Zukunft fort und wieso?

Karma wird in unseren Absichten gebildet. Obwohl Karma “Handlung, Tat” bedeutet, wird es nicht durch die Handlung an und für sich gebildet, sondern durch die Absicht, mit der die Handlung ausgeführt wird.

Im 2 Pfadfaktor des edlen achtfachen Pfads geht es um die Absichten:

Absicht der Entsagung, des Loslassens, des Hergebens 

(= Grosszügigkeit, Mitfreude)

Absicht des Nicht-Übelwollens, der Nicht-Böswilligkeit 

(= Wohlwollen und Mitfreude)

Absicht der Gewaltlosigkeit, der Nicht-Grausamkeit, der Nicht-Gleichgültigkeit

(= Mitgefühl)

Unsere Absichten hinterlassen in unserem Bewusstsein einen Abdruck. Wir WISSEN, was wir getan oder auch nicht getan haben. Unser Gewissen verhindert, dass wir es vergessen. Wir können es bis ins Unterbewusstsein verdrängen, aber es bleibt in unserem Bewusstsein. Wie in einer Dominoreihe, wenn erst einmal der erste Stein angestossen wurde, ein Stein den nächsten umstösst, so pflanzt sich die karmische Energie von einem Bewusstseinsmoment zum nächsten Bewusstseinsmoment fort. Stirbt der Körper, pflanzt sich die karmische Energie vom letzten Bewusstseinsmoment zum ersten Bewusstseinsmoment des neuen Lebewesens fort und formt seine Umstände. Es ist nicht das Wesen, das wiedergeboren wird, sondern das Karma, das es gewirkt hat. 

Man darf sich aber nicht dazu verleiten lassen, sich vor der Verantwortung der vollbrachten Tat zu drücken, indem man sich sagt: die Absicht war gut und das ist ja alles was zählt. Wie der Volksmund sagt: der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert.

Wir sollen nicht am Endergebnis haften, aber wir müssen immer wieder überprüfen, ob wir unabsichtlich Schaden anrichten oder angerichtet haben. Wenn es uns egal ist, ob wir möglicherweise jemanden verletzt haben, sind wir, möglicherweise ohne es zu merken, von der Absicht zur Gewalt, Grausamkeit, Gleichgültigkeit betroffen. 

Der Buddha gibt in MN 61 Rat an Rahula klare Anweisungen:

Was meinst du, Rāhula: Wozu ist ein Spiegel da?“

„Zum Reflektieren, ehrwürdiger Herr.“

„Ebenso, Rāhula, sollte eine Handlung mit dem Körper nach wiederholtem Reflektieren ausgeführt werden; eine Handlung mit der Sprache sollte nach wiederholtem Reflektieren ausgeführt werden; eine Handlung mit dem Geist sollte nach wiederholtem Reflektieren ausgeführt werden.“

9. „Rāhula, wenn du eine Handlung mit dem Körper, mit der Sprache oder dem Geist ausführen willst, sollte eben diese körperliche, sprachliche oder geistige Handlung von dir so reflektiert werden: ‚Würde diese Handlung, die ich mit Körper, Sprache oder Geist ausführen will, zu meinem eigenen Leid führen, oder zum Leid anderer, oder zum Leid beider? Ist es eine unheilsame Handlung mit schmerzhaften Folgen, mit schmerzhaften Ergebnissen?‘ Falls du erkennst, während du sie reflektierst: ‚Diese Handlung, die ich mit Körper, Sprache oder Geist ausführen will, würde zu meinem eigenen Leid führen, oder zum Leid anderer, oder zum Leid beider; es ist eine unheilsame Handlung mit schmerzhaften Folgen, mit schmerzhaften Ergebnissen‘, dann solltest du eine solche körperliche, sprachliche oder geistige Handlung mit Sicherheit nicht ausführen. Aber falls du erkennst, während du sie reflektierst: ‚Diese Handlung, die ich mit Körper, Sprache oder Geist ausführen will, würde nicht zu meinem eigenen Leid führen, oder zum Leid anderer, oder zum Leid beider; es ist eine heilsame Handlung mit angenehmen Folgen, mit angenehmen Ergebnissen‘, dann darfst du eine solche körperliche, sprachliche oder geistige Handlung ausführen.“

10. „Ebenso, Rāhula, während du eine Handlung mit dem Körper, der Sprache oder mit den Geist ausführst, sollte eben diese körperliche, sprachliche oder geistige Handlung von dir so reflektiert werden: ‚Führt diese Handlung, die ich gerade mit Körper, Sprache oder Geist ausführe, zu meinem eigenen Leid, oder zum Leid anderer, oder zum Leid beider? Ist es eine unheilsame Handlung mit schmerzhaften Folgen, mit schmerzhaften Ergebnissen?‘ Falls du erkennst, während du sie reflektierst: ‚Diese Handlung, die ich gerade mit Körper, Sprache oder Geist ausführe, führt zu meinem eigenen Leid, oder zum Leid anderer, oder zum Leid beider; es ist eine unheilsame Handlung mit schmerzhaften Folgen, mit schmerzhaften Ergebnissen‘, dann solltest du eine solche körperliche, sprachliche oder geistige Handlung einstellen. Aber falls du erkennst, während du sie reflektierst: ‚Diese Handlung, die ich gerade mit Körper, Sprache oder Geist ausführe, führt nicht zu meinem eigenen Leid, oder zum Leid anderer, oder zum Leid beider; es ist eine heilsame Handlung mit angenehmen Folgen, mit angenehmen Ergebnissen‘, dann darfst du mit einer solchen körperliche, sprachlichen oder geistigen Handlung fortfahren.“

11. „Ebenso, Rāhula, nachdem du eine Handlung mit dem Körper, der Sprache oder mit dem Geist ausgeführt hast, sollte eben diese körperliche, sprachliche oder geistige  Handlung von dir im Rückblick so reflektiert werden: ‚Führt diese Handlung, die ich mit Körper, Sprache oder Geist ausgeführt habe, zu meinem eigenen Leid, oder zum Leid anderer, oder zum Leid beider? War es eine unheilsame Handlung mit schmerzhaften Folgen, mit schmerzhaften Ergebnissen?‘ Falls du erkennst, während du sie im Rückblick reflektierst: ‚Diese Handlung, die ich mit Körper, Sprache oder Geist ausgeführt habe, führt zu meinem eigenen Leid, oder zum Leid anderer, oder zum Leid beider; es war eine unheilsame Handlung mit schmerzhaften Folgen, mit schmerzhaften Ergebnissen‘, dann solltest du eine solche körperliche, sprachliche oder geistige  Handlung bekennen, sie enthüllen und aufdecken, gegenüber dem Lehrer oder gegenüber deinen weisen Gefährten im heiligen Leben. Und nachdem du sie bekannt, enthüllt und aufgedeckt hast, solltest du dich in Zurückhaltung für die Zukunft üben. Aber falls du erkennst, während du sie im Rückblick reflektierst: ‚Diese Handlung, die ich mit dem Körper ausgeführt habe, führt nicht zu meinem eigenen Leid, oder zum Leid anderer, oder zum Leid beider; es war eine heilsame Handlung mit angenehmen Folgen, mit angenehmen Ergebnissen‘, dann kannst du verzückt und froh verweilen, während du dich Tag und Nacht in heilsamen Zuständen übst.“

Leider sind uns unsere Absichten längst nicht immer bewusst. Wir sind auch sehr gut darin, unsere wahren Absichten vor uns selbst zu verbergen und schönzureden.

Wir sind sehr gut darin, uns etwas vorzumachen.

Ich möchte helfen – dabei halte ich nur das Leiden des Anderen nicht aus.

Ich ertrage Schmerzen voll Gleichmut – dabei bin ich nur grausam mir gegenüber

Ich tue alles für andere – dabei ist es nur bequem, einfach zu tun, was die anderen wollen.

Ich bin zu allen Menschen lieb und versuche es allen recht zu machen – dabei will ich nur Tadel vermeiden.

Ich halte meine Regeln ganz streng ein – dabei will ich nur bewundert und geachtet werden. Oder nicht getadelt.

Ganz oft geht es bei unseren vermeintlich guten Absicht lediglich darum, so zu handeln, dass wir Angenehmes bekommen und Unangenehmes vermeiden bzw. Angenehmes behalten und Unangenehmes loswerden.

Das ist die erste edle Wahrheit:

Nicht zu bekommen was wir uns wünschen ist Leiden.

Zu bekommen, was wir uns nicht wünschen ist Leiden.

Von Liebem getrennt sein ist Leiden.

Mit Unliebem vereint sein ist Leiden.

Wir versuchen also, mit unseren Handlungen Leiden zu verhindern oder loszuwerden. 

Die zweite edle Wahrheit vom Ursprung des Leidens lautet aber nicht, dass unsere Handlungen der Ursprung des Leidens ist.

Der Ursprung des Leidens sind unsere Wünsche, was wir wollen und nicht wollen, und unsere Vorstellungen, wie etwas oder jemand zu sein hat oder nicht zu sein hat. DAS ist der Grund, warum wir leiden.

Wenn wir das verstehen, können wir aufhören, unsere Absichten an der Vermeidung und Auflösung unseres Leidens auszurichten.

Sondern wirklich an den drei richtigen Absichten: 

Absicht der Entsagung, des Loslassens.

Muss ich das wirklich haben? Kann ich auch ohne und es loslassen? Oder hergeben? 

Aber es geht nicht nur um materielle Dinge:

Kann ich mich für den Anderen freuen, dass er hat, was ich gerne hätte, kann was ich gerne könnte, weiss was ich gerne wüsste, darf, was ich gerne dürfte, tut, was ich gerne täte? Ohne es für mich haben zu wollen?

Gier und Missgunst wird durch Großzügigkeit und Mitfreude ersetzt.

Absicht des Nicht-Übelwollens, der Nicht-Böswilligkeit

Erlaube ich mir zu sein, wie ich bin?

Erlaube ich anderen zu sein, wie sie sind?

Erlaube ich Situationen zu sein, wie sie sind?

Hass und Ablehnung wird durch Wohlwollen und Akzeptanz ersetzt.

Vermeide ich es, mich zu etwas zu zwingen, mir Gewalt anzutun? Oder anderen?

Vermeide ich es, andere zu manipulieren, damit sie sind, wie ich sie haben möchte? Oder mich?

Lasse ich die Ansicht los, dass die Welt meinen Vorstellungen zu entsprechen hat?

Lasse ich die Ansicht los, dass es mein Recht ist, über irgendwen oder irgendetwas zu bestimmen und nach meinen Vorstellungen zu verändern?

Gewalt und Grausamkeit wird durch Gewaltlosigkeit und Mitgefühl ersetzt.

Wenn wir darauf achten aus Großzügigkeit zu handeln (muditā), aus Akzeptanz (mettā) und aus Gewaltlosigkeit (karunā), können wir der Zukunft gelassen entgegenschauen (upekkhā). Wir sind für alle Situationen gut gerüstet:

Man will uns etwas nicht geben, das wir möchten? Oder gibt uns etwas, das wir nicht möchten? ( zB Kritik , Tadel, Spott, Ablehnung) Dann lassen wir es eben los und erfreuen uns daran, dass das Gegenüber es hat bzw. losgeworden ist. (Mudita)

Man will uns etwas wegnehmen?  Dann geben wir es freudig her und erfreuen uns daran, dass das Gegenüber es jetzt hat und glücklich ist. (Mudita)

Menschen, Dinge, Situationen sind uns unangenehm, da nicht so, wie wir es uns wünschen? Dann nehmen wir sie an, wie sie sind. (Metta)

Wir versuchen nicht, sie zu ändern (Besserwisserei, Manipulation, Gewalt), sondern sind voll mitfühlendem Verständnis für ihre Schwierigkeiten. (Karuna)

Wie gehen wir mit der Welt da draussen um? Mit Krieg und Feindseligkeit?

Es gibt zwei Welten. Es gibt unsere persönliche Welt, mit den Menschen und Situationen, mit denen wir in Kontakt kommen und interagieren müssen. Sie ist direkt von unserem Verhalten, unserem gewirkten Karma abhängig. Und es gibt die Welt da draussen, von der wir lesen und hören, die wir aber nicht direkt erleben. Internet und Nachrichten bombardieren uns mit schlimmen Nachrichten: Krieg in der Ukraine und in Israel, Trump Präsident in Amerika, die AFD legt zu, Europa rückt immer mehr nach rechts, Angst wird geschürt. Die Augen zu verschliessen ist keine gute Lösung. Zu verzweifeln oder abzustumpfen auch nicht.

Die Welt da draussen existiert nur in unserem Kopf, möglicherweise sogar nur in unserer Fantasie. Wir können sie mit Weisheit betrachten: Kann ich auf heilsame Weise Einfluss nehmen? Haben wir die Kraft und die Möglichkeit, etwas zum Heilsamen zu verändern? 

Frei nach dem Spruch:

Gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann

Die Gelassenheit, die Dinge zu ertragen, die ich nicht ändern kann

Und die Weisheit, das Eine vom Andern zu unterscheiden.

Die Dinge, die wir ändern können, sind nun zu unserer persönlichen Welt dazugestossen und wir können Einfluss zum Heilsamen auf sie nehmen. Und die anderen bleiben in der Welt da draussen, die wir nicht verändern können und mit der wir uns nicht beschäftigen müssen.

So können wir uns weiter darauf konzentrieren, in unserer persönlichen Welt heilsam zu agieren und zu reagieren. 

Meditationsanweisung:

Achtsamkeit nicht auf die Objekte richten, sondern auf die Beziehung zu den Objekten:

Betrachte ich sie sanft, wohlwollend? Oder will ich ihnen meinen Willen aufzwingen? Lasse ich sie freundlich kommen und gehen? Oder will ich jene festhalten und diese loswerden?

Aufmerksamkeit auf den Atem:

Wie betrachte ich den Atem? Bringe ich im Wertschätzung entgegen? Ohne ihn ist in wenigen Minuten das Leben zu Ende.

Akzeptiere ich ihn, wie er ist? Oder habe ich Vorstellungen, wie er zu sein hat? 

Aufmerksamkeit auf ablenkende Objekte:

Akzeptiere ich ihre Existenz? Oder versuche ich sie loszuwerden?

Erlaube ich auftauchenden Emotionen hier zu sein und gefühlt zu werden, bis sie sich von selbst aufgelöst haben?

Auch ich bin mein Objekt: 

Wie gehe ich mit mir um?

Bin ich freundlich und sanft zu mir?

Ermuntere ich mich? Oder zwinge ich mich? 

Wie gehe ich damit um, wenn ich kein Wohlwollen, kein Mitgefühl, keine Mitfreude empfinde?

2 Antworten zu „Karma – Praxistag mit der Theravadagruppe Salzburg“

  1. Avatar von Inge Dilg
    Inge Dilg

    Liebe Rakkhita,

    dein gestriger Vortrag war ausgezeichnet, sehr gut vorbereitet und zudem autenthisch. Weiter so!!

    Herzensgrüßle aus Maria Rain/Inge

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    1. Avatar von Bhikkhuni Rakkhita

      Liebe Inge,

      Vielen Dank! Es freut mich sehr, dass dir der Vortrag gefallen hat.

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