Neulich bin ich über ein Video gestolpert. Ich finde, es zeigt auf sehr berührende Art und Weise, wie wir heilsam mit den Aspekten unseres Geistes umgehen können, die wir ablehnen.
Wir alle haben Vorstellungen darüber, wie wir sein sollten. Wir haben sie während der bisherigen Reise durch unser Leben gelernt. Eltern, Familie, Freunde, Schule und Berufsleben, die Gesellschaft im Allgemeinen und natürlich wir selbst: sie alle haben uns Vorstellungen vermittelt, wie wir zu sein haben. Viele haben wir übernommen, manche haben wir verworfen. So haben wir unser eigenes, individuelles Bild entworfen, wie wir sein sollten und wie wir sein wollen. Ein teilweise wider- sprüchliches Gemisch aus bewussten und unbewussten Vorstellungen und Überzeugungen.
Vorstellungen, wie wir sein wollen, wie wir zu sein haben.
Vorstellungen, wie wir nicht sein wollen, nicht sein dürfen.
Vorstellungen, mit denen wir möglicherweise gar nicht einverstanden sind, gegen die wir uns wehren. Und doch sind sie da, ob es uns passt oder nicht.
Leider haben wir alle Charaktereigenschaften, die nicht diesen Vorstellungen entsprechen. Charaktereigenschaften, die wir nicht akzeptieren wollen oder können, die nicht sein dürfen.
Wir sind selbstsüchtig, gierig, ungerecht, verachtend, unfreundlich, verurteilend, faul, desinteressiert, ängstlich, feige, grob, hilflos, ungeschickt, unsicher, schüchtern, nicht schlagfertig, frustriert, deprimiert, verzweifelt … etc. etc.
Da das nicht sein darf, verdrängen wir diese Charakter- eigenschaften, so gut wir können. In der Hoffnung, dass sie verschwinden mögen. Ich bin im Artikel Körper und Geist schon mal kurz auf diese Thematik eingegangen.
Selbstverständlich tun sie das nicht. Sie verstecken sich im Dunkeln, da sie im Hellen ja nicht sein dürfen. Wachsen jedes mal, wenn wir uns wieder einmal auf eine Art fühlen, die nicht sein darf, und wir dieses Gefühl verdrängen.
Sie leiden, da sie im Dunkeln, in der Verbannung, nicht wirklich leben können. Sie vegetieren dahin, verkrüppeln. Versuchen immer wieder, ins Helle unseres Bewusstseins zurückzukehren. Und werden wieder und wieder zurückgestossen.
In der Meditation erinnern wir uns häufig an Gespräche oder Situationen, die nicht unseren Vorstellungen entsprechend verlaufen sind. Häufig erwischen wir uns dabei, wie wir die Situation „zu retten versuchen“. ‚Dieses oder jenes hätte ich sagen sollen. So und so hätte ich mich verhalten sollen. So und so werde ich beim nächsten Mal reagieren.‘
Doch den verletzten Strukturen, den Gefühlen des ungenügend- seins, des übergangen-werdens, des nicht-verstanden-werdens, denen schenken wir abermals keine Beachtung. Wir beschäftigen uns mit der vermeintlichen Lösung des „Problems“ – und die schon wieder nicht gesehenen, schon wieder übergangenen Strukturen werden verdrängt und kehren enttäuscht in die Dunkelheit des Unbewussten zurück.
Ist es wirklich verwunderlich, dass diese geistige Strukturen wütend werden? Bösartig? Uns das Leben schwer machen?
Was aber sollen wir tun? Wir sollen uns doch nicht unheilsam verhalten. Wir dürfen dem Unheilsamen doch keinen Raum lassen.
Doch, wir dürfen dem Unheilsamen Raum geben. Es ist ein grosser Unterschied, ob wir dem Unheilsamen in uns Raum geben und seine Existenz anerkennen oder ob wir es ausagieren. Wir können das Unheilsame in uns annehmen und uns trotzdem heilsam verhalten.
Wir können anerkennen, dass wir auf das Verhalten einer gewissen Person verärgert reagieren – und sie trotzdem freundlich behandeln, mit Mitgefühl für das Leiden, das ihr Verhalten verursacht hat.
Wir können anerkennen, dass wir gerade keine Lust haben, uns um dies oder jenes zu kümmern – und es trotzdem erledigen.
Wir können anerkennen, dass wir grobe, verletzende, verächtliche, abwertende, verurteilende Worte aussprechen wollen – und den Mund halten.
Wir können anerkennen, dass wir uns gerade unzulänglich fühlen – ohne in Jammern auszubrechen oder uns in Selbstmitleid zu suhlen.
Aber was sollen wir mit diesen Gefühlen der Verachtung, der Faulheit, des Ärgers, der Minderwertigkeit etc. machen, anstatt sie zu verdrängen?
Wir können anerkennen, dass sie existieren, dass sie Teil dieses Körper-Geist-Komplexes sind. Wir können erkennen, dass sie uns weder gehören, noch wir uns mit ihnen identifizieren müssen.
Sie sind nicht wir und wir sind nicht sie. Es sind einfach geistige Strukturen. Alte Gefühle, mit denen wir einen heilsamen Umgang finden müssen.
Wie? Schaut euch das Video an:
https://www.instagram.com/reel/DRKmYnvCdT6/?igsh=MXc4M2F5ODc1bGF6dA==

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