DBO-Treffen

Als ich vor zwei Jahren das erste Mal an einem Treffen der Deutschen Buddhistischen Ordensgemeinschaft teilnahm, war ich von der eingeladenen Referentin Shifu Shuman tief beeindruckt. So eine wundervolle, feine Nonne! So eine sanfte, kraftvolle Ausstrahlung!

Um so größer war meine Freude, dass sie dieses Jahr wieder aus Taiwan eingeladen wurde!

Der Text eines chinesischen Meisters, den wir die 3,5 Tage besprachen, drehte sich rund um Bodhicitta.

Was ist Bodhictta? Wozu brauchen wir das? Wie können wir es erzeugen? Und wie hilft es uns, Erleuchtung zu erlangen?

Bodhicitta ist der auf Erleuchtung ausgerichtete Geist. Er beinhaltet auch die Motivation, auf eine zielführende Art und Weise zu praktizieren und jede Handlung auf die Erleuchtung auszurichten.

Schon bei der Diskussion rund um die Definition der Begriffe Bodhicitta und Erleuchtung zeigten sich schnell grundlegende Unterschiede im Weltbild der Theravadins und der Mahayanas. Während nach der Lehre des Theravada der Weg nach Erreichen des Stromeintritts unumgänglich innerhalb von höchstens sieben Leben zum Erlöschen führt, sieht das im Mahayana ganz anders aus.

Nach deren Auffassung kann ein Arahant nach Belieben in Samsara verweilen und frei von Karma reinkarnieren, um den Wesen zu helfen. Der Heilige erlischt also nicht, sondern die innewohnende Buddhanatur existiert in einer reinen Sphäre weiter. Neben dem Nibbana und Parinibbana, was für mich nicht zwei voneinander verschiedene Bereiche sind, kennt der Mahayana zwei weitere Bereiche, in denen ein Erleuchteter verweilt.

Nach meinem Empfinden werden hier die Begriffe „Seele“ und „Himmel“ einfach durch „buddhistische“ Begriffe ersetzt. Aber wer bin ich schon, den Mahayana kritisieren zu wollen. Da ich selbst bis jetzt keine Einsicht in Nibbana oder allfällige noch höhere Zustände hatte, kann ich mir kein Urteil erlauben. Obwohl ich, wie ich zugeben muss, absolut davon überzeugt bin, dass es keine weiteren Bereiche gibt. Das wird in unseren Schriften vom Buddha ganz klar gesagt. In den Schriften des Mahayana ist es aber ebenfalls der Buddha, der von weiteren Bereichen spricht.

So enthalte ich mich jeden Kommentars und nehme es als Ansporn zur Praxis, um selbst aus eigener Erfahrung beurteilen zu können, wie es sich denn nun verhält.

Bei der Frage der Erzeugung des Bodhicitta zeigten sich dafür schnell die Gemeinsamkeiten. Auch wenn unterschiedliche Auffassungen über die Gewichtung herrschten, so waren wir uns doch alle einig, dass Entwicklung und Reinigung  des Geistes sowie Entfaltung von Metta bzw. Mitgefühl unabdingbar sind.

Auch über die Notwendigkeit einer starken Zielsetzung waren wir uns einig. Ob es sich darum handelt, sich selbst und so viele Wesen wie möglich vom Leid zu befreien oder wie im Mahayana, sich selbst und alle Wesen zu befreien, scheint mir schlussendlich kein so großer Unterschied zu sein.

Auch die Definitionen, was korrekte Absichten von verdorbenen Absichten unterscheidet, waren wir uns doch recht einig.

Das Leben als Ordinierte sollte auf Befreiung von Leid ausgerichtet sein, sowohl des eigenen als auch der Anderen. Und nicht auf Ruhm und gute Versorgung durch die Laien.

Für mich war es ein außerordentlich inspirierendes und und in meinem Weg bestärkendes Treffen. Es war ganz wunderbar und erhebend, unter so vielen, zum Teil hochehrwürdigen Nonnen und Mönchen praktizieren zu dürfen.

Hinterlasse einen Kommentar