Auf den Fußspuren des Buddha – Eine Pilgerreise zu den Orten, an denen der Buddha lebte und wirkte.

Unsere Reise führte uns nicht der Lebensgeschichte des Buddha entlang, sondern folgte rationalen Überlegungen: wie können wir in nur 17 Tagen alle wichtigen Orte besuchen?

So startete unsere Reise nicht in Nepal, wo der Buddha geboren wurde (ja, der Buddha war kein Inder, sondern Nepalese, wie die Nepalesen nicht müde werden zu betonen), sondern in Sarnath, das in 30 min vom Flughafen Varanasi aus zu erreichen ist.

Dort wurden wir nach unserem Nachtflug von unserem Busfahrer Ashok und seinen beiden Söhnen abgeholt und im komfortablen, klimaanlagengekühlten Tourenbus abgeholt und in unsere erste Pilgerunterkunft gebracht: das Guesthouse des tibetischen Klosters Vajra Vidja.

Noch am gleichen Nachmittag pilgerten wir zu unserer ersten Stätte: dem Hirschpark von Isipatana. Was geschah im Hirschpark von Isipatana? Und was war das überhaupt?

Nachdem der Prinz Siddhatta unter dem Bodhibaum erwacht war und zum Buddha wurde, überlegte er, wer diese subtile, schwer zu verstehende Wahrheit, die er entdeckt hatte, verstehen könnte. Seine beiden Lehrer, die ihn bestimmt verstanden hätten, waren beide erst kürzlich verstorben. Aber die 5 Asketen, die ihn 6 Jahre lang begleitet hatten, könnten es vielleicht verstehen.

Die fünf Asketen hielten sich zu dieser Zeit im Hirschpark von Varanasi auf. Der Hirschpark war ein riesiger Park inmitten der Stadt Varanasi, wo Asketen der verschiedensten Schulen sich niederlassen, praktizieren und sich austauschten durften. Im damaligen Indien war die Debattenkultur hoch angesehen und die „oberen Zehntausend“ liebten es, Asketen verschiedener Schulen zu lauschen, die einander durch kluge Rhetorik zu übertreffen suchten.

In diesem Park hatten sich die fünf Asketen niedergelassen, um sich einen neuen Lehrer zu suchen, nachdem sie den Buddha kurz vor seiner Erleuchtung verlassen hatten. Warum sie das taten, erkläre ich euch in Bodhgaya, wo der Buddha erwacht war.

Der Buddha fand also die fünf Asketen im Hirschpark. Die sahen ihn von weitem kommen und beschlossen, ihn nicht zu begrüßen und nicht mit ihm zu sprechen, da sie der Ansicht waren, er hätte die Askese aufgegeben. Der Buddha hatte aber solche eine außergewöhnliche Ausstrahlung durch seine Erleuchtung, dass sie ihren Vorsatz vergaßen, ihm entgegen gingen, ihn respektvoll begrüßten und ihn baten, sich zu ihnen zu setzen. Der Buddha folgte ihrer Einladung und hielt seine allererste Lehrrede. Er erklärte den Asketen, dass weder das Schwelgen in Sinnesvergnügen noch Selbstkasteiung zum Ende des Leides führen, sondern dass der Weg genau in der Mitte verläuft. Weder der Gier noch dem (Selbst)Hass Nahrung geben, sondern dem mittleren, achtfachen Pfad folgen, der zum Erwachen führt: Auf der Basis einer ethischen Lebensführung wird Geistesruhe entwickelt, die zur Weisheit führt, die für die endgültige Befreiung nötig ist.

Als er diese erste Lehrrede gab, „klickte“ es bei Kondanna, einem der Asketen, und er verstand tiefgründig, wovon der Buddha sprach. Er erlebte für einen kurzen Augenblick, was „Ende des Leids“ tatsächlich bedeutete und wie es endgültig realisiert werden kann. Er fasste tiefstes Vertrauen zum Buddha, da er eben erlebt hatte, dass dieser tatsächlich den Weg entdeckt hatte, der zum Ende jeglicher Unzulänglichkeit, Nibbana führt.

Mit diesem Ereignis war klar, dass der Buddha nicht nur den Weg zum Nibbana entdeckt hatte, sondern dass er diesen Weg auch anderen verständlich machen konnte. Darum ist diese Lehrrede bis heute etwas ganz besonderes und wird die Lehrrede vom Ingangsetzen des Dhammarades genannt. Das Rad er Lehre war in Gang gesetzt worden, die Lehre kann anderen vermittelt werden und das Rad rollt dadurch immer weiter. Bis es irgendwann wieder zum Stillstand kommt: denn absolut alles ist vergänglich und auch die Lehre vom Ende des Leids wird irgendwann verschwinden und vergessen werden. Bis wieder ein außergewöhnlicher Mensch diesen Weg sucht und findet und zum nächsten Buddha wird.

Auch die zweite Lehrrede, durch die alle fünf Asketen nach dreimonatiger intensiver Praxis die vollständige Befreiung erlangt hatten, wurde dort gegeben.

Trotz der vielen Touristen war es ein tief spiritueller, magischer Ort und man konnte selbst nach 2500 Jahren immer noch spüren, dass hier ein großes Ereignis stattgefunden hatte.

Nachdem Jörn, unser Reiseleiter die „offizielle“ Führung durch das große Gelände beendet hatte, suchten wir Nonnen uns ein lauschiges Plätzchen etwas außerhalb des Trubels und chanteten die erste Lehrrede. Es war tief bewegend, die Sutta zu chanten und zu wissen, dass der Buddha genau hier genau diese Lehrrede gehalten hatte. Ich war bestimmt nicht die einzige, die Gänsehaut hatte!

Am nächsten Tag hatten wir das außerordentliche Glück, dass eine Reliquie des Buddha, ein ziemlich großes Knochenstück,
für 4 Tage in Sarnath gezeigt wurde. Normalerweise können die Knochenüberreste des Buddha nur im Nationalmuseum von New Dehli besichtigt werden.
Zwei mal im Jahr gehen sie aber auf „Tournee“ und werden an unterschiedlichen Orten ausgestellt. Und ausgerechnet während der zwei Tage, die wir in Sarnath verbrachten, war eines davon in Sarnath ausgestellt!

In den Überresten von Erleuchteten können kleine, runde Kristalle gefunden werden. Fragt mich nicht, warum das so ist, es ist aber offenbar so. Wenn heutzutage Menschen sterben und verbrannt werden, von denen man vermutet, dass sie erleuchtet gewesen sind (ja, das gibt es auch heute noch!), so werden ihre Überreste nach diesen Kügelchen abgesucht: werden welche gefunden, ist das die Bestätigung, dass er oder sie tatsächlich erleuchtet war. Da Kristalle bekanntlich wachsen, vermehren sich solche Reliquien, daher gibt es recht viele Reliquien, auch vom Buddha. Knochenstücke hingegen vermehren sich natürlich nicht und es gibt nur eine sehr beschränkte Anzahl davon, was sie zu einer ganz speziellen Kostbarkeit machen. Warum es heute überhaupt noch Überreste vom Buddha gibt und woher wir wissen, dass sie tatsächlich vom Buddha sind, erzähle ich euch später.

Nach zwei Tagen an diesem kraftvollen Ort reisen wir mit dem Bus weiter nach Bodhgaya, wo der Buddha unter dem Bodhibaum erwacht war.

Bodhibäume werden alt, aber keine 2500 Jahre. 300 Jahre nach Buddha wurde ein Ableger des Originalbaumes nach Sri Lanka gebracht, wo er in der damaligen Königsstadt prächtig gedieh. Immer wieder wurden von diesem Baum Ableger weiterkultiviert. Als der Baum in Bodhgaya starb, wurde ein Ableger des Ablegers wieder am Platz der Erleuchtung gepflanzt. Genetisch ist es also tatsächlich immer noch der Baum, unter dem der Buddha erwacht war.

Neben dem Baum war ein großer Tempel erreichtet worden, um die Stelle zu würdigen, an der der große Lehrer erwacht war. Natürlich ist dieser Ort ein Magnet für alle buddhistischen Traditionen und auch bei Touristen ist Bodhgaya sehr beliebt.

Jörn hatte uns schon gewarnt, dass es ein Tohuwabohu und Halligalli und total überlaufen sei und dass wir bloß keine erhabene, stille Atmosphäre erwarten dürften.

Das war es natürlich auch nicht. Wir hatten bereits in Sarnath die Erfahrung machen dürfen, dass die Inder Stille nicht sonderlich mögen. Bis um Nachts um 2 Uhr geht es hoch zu und her. Entweder wird irgendwo irgendeiner der 365 lokalen hinduistischen Feiertage zelebriert, was natürlich mit Lautsprechern in die Nachbarschaft übertragen wird oder es findet eine Hochzeit statt, die noch lauter mit Musik und Böllern gefeiert wird.

Morgens um 4 Uhr hörte man, wieder per Lautsprecher, die Morgenzeremonien der umliegenden Hindutempel. Ich hatte schnell den Verdacht, dass die Inder nicht schlafen können, wenn es still ist!

Bodhgaya war ganz ähnlich. Während die Tibeter Om mani peme hum sangen (mit Lautsprecher), rezitierten daneben die Taiwanesen in Chinesisch (auch mit Lautsprecher). Dahinter die Koreaner, daneben Thais, drüben findet eine Stoffspende von Laien an Mönche statt, eine Schulklasse bestaunt den Bodhibaum, ,ein Thaimönch umrundet Lehrreden rezitierend den Tempel, gefolgt von einer wachsenden Anzahl inspirierter Individualtouristen, ein Reiseleiter erklärt seiner Gruppe, was sie hier sehen und was hier geschehen ist und absolut jeder benutzt Lautsprecher, damit er ja gehört wird. Es war die reinste Kakophonie.

Eines Nachmittags setzte ich mich auf einen freien Platz auf dem umgebenden Mäuerchen, faltete die Hände und rezitierte im Stillen die Verehrungsformel für den Buddha. Ich hörte die verschiedenen Sprachen und Stile, die wild und unkoordiniert um mich herum erschallten. Ich versuchte das Verschiedenartige, Unkoordinierte hinter mir zu lassen und das Gemeinsame herauszuspüren. Wenn wir sprechen, so geben wir eine scheinbar unkoordinierte, sinnlose Abfolge von Buchstaben und Lauten von uns, die keiner Logik zu folgen scheinen. Wenn man aber die Ebene von Buchstaben und Lauten verlässt und auf das größere Ganze achtet, so bilden die Buchstaben und Laute Wörter und Sätze, die durchaus Sinn ergeben. Genau so verließ ich die Ebene der Sprachen und Stile und plötzlich war die scheinbare Kakophonie ein einziger, harmonischer Ausdruck der Liebe und des Respekts: Ehre dem Erhabenen, Vollendeten, vollkommen Erwachten!

Ich saß stundenlang dort, versunken in die Hingabe und Dankbarkeit, der um mich herum auf vielfältigste Weise Ausdruck verliehen wurde.

Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug auf den Gayasise. In knapp 30 min erklommen wir die steilen Stufen des kleinen Berges, auf dem der Buddha 1000 Asketen zur Befreiung vom Leid führte, indem er ihnen die dritte Lehrrede hielt, die Feuerlehrrede. Diese Asketen waren Feuerasketen, und indem der Buddha die Problematik, die zu durchschauen ist, mit Feuer verglich, verstanden sie ihn und ließen alles Anhaften los.

Saccika nutzte die Gelegenheit, an diesem Platz, an dem der Buddha damals saß, uns davon zu beichten, was der Buddha alles unternahm, um die sehr von sich selbst überzeugten Asketen dazu zu bringen, ihm überhaupt zuzuhören.

Wie man auf diesem Bild sehr schön sehen kann, war die Luftverschmutzung in Indien wirklich enorm. Nur knapp 10 min nach dieser Aufnahme versank die Sonne nicht etwa hinter dem Horizont, sondern im Smog.

In Bodhgaya verbrachten wir ganze 4 Tage. So nutzen wir die großzügig bemessene Zeit, um im vietnamesischen Tempel, in dem wir wohnen durften, ein Halbtages-Retreat abzuhalten und die Atmosphäre des Ortes tief in uns aufzunehmen.

An unserem letzten Tag waren wir zu einer Spende an die Ordensgemeinschaft in den burmesischen Tempel eingeladen. Jörn hatte eine Mahlzeit für die ortsansässigen Mönche und uns Nonnen organisiert, wofür die Ordinierten sich mit einem sehr ausgiebigen Segen revanchierten.

Nach der gemeinsamen Mahlzeit (es war natürlich auch genug für die Laien organisiert worden) überreichten unsere Laienpilger den Mönchen und uns Nonnen kleinere und größere Geschenke: Hautcremes, Hustenbonbons (bei dem Smog eine wahre Wohltat!) Seifen und sogar einige Robensets. Obwohl ich mich am vorangehenden Tag noch gegen den Kauf einer neuen Robe gewehrt hatte, da meine meiner Ansicht nach noch gut genug war, stand ich plötzlich mit einer funkelnagelneuen Robe in schönstem Safranorange da, die auch noch genau so groß war wie meine alte Robe.

Gegen Karma kann man sich halt nicht wehren!

Mich hat ganz besonders beeindruckt, mit welch unglaublicher Freundlichkeit und Wohlwollen wir hochordinierten Nonnen vom Abt des burmesischen Klosters empfangen wurden. In Burma herrscht die Auffassung, dass es keinen Nonnenorden mehr gibt und dass nur ein Buddha einen neuen Nonnenorden ins Leben rufen kann. Frauen können als Tempeldienerinnen praktizieren, aber nicht als Nonne. Ausländische Nonnen werden zwar toleriert. Eine burmesische Frau, die es wagt, sich im Ausland hochordinieren zu lassen, kommt aber ins Gefängnis und wird zwangsentrobt.

Angesichts dieses Hintergrunds hat es mich tief berührt, dass der Abt sich aufrichtig darüber gefreut hat, hochordinierte Nonnen willkommen zu heißen, uns einen kurzen, sehr wohlwollenden Talk über den Umgang von Nonnen und Mönchen zu halten und uns sogar den den Ordinierten vorbehaltenen Bereich zur Verfügung zu stellen, damit wir unsere Vollmondzeremonie abhalten konnten.

Nach vier beeindruckenden Tagen in Bodhgaya reisten wir weiter nach Rajgiri, das damals die Hauptstadt des Magadha-Reiches war, des damals größten Nordindischen Königreichs. Wie Rom von umliegenden Bergen geschützt, verbrachte der Buddha viel Zeit in Rajgiri und viele Lehrreden wurden hier gehalten. Der König von Magadha war ein hingebungsvoller Anhänger des Buddha und unterstützte ihn und seinen Orden wo er nur konnte.

Wieder einmal kletterten wir auf Berge, um die Plätze zu besuchen, an denen der Buddha gelehrt hatte.

Besonders der Geierberg mit seinem Schrein auf dem Gipfel und den schönen Meditationshöhlen wollten wir gar nicht mehr verlassen.

Unsere lieben Mitpilger*innen waren so lieb, Essen auf den Berg zu schleppen, damit wir Nonnen regelgerecht zur rechten Zeit unsere Mahlzeit einnehmen konnten. Viel viel Segen für eure liebevollen, fürsorglichen Bemühungen!

Wir besuchten auch die Ruinen von Nalanda, der einstmals größten Universität der Welt. Auf 2 x 10km Fläche bot sie damals Platz für 10´000 Studenten und beherbergte die damals größte Bibliothek der Welt.

Im zwölften Jahrhundert, als Indien von den Mogulherrschern erobert wurde, wurde die Universität bis auf die Grundmauern niedergebrannt. 8 Wochen lang soll es der Überlieferung nach gebrannt haben. Jörn zeigte uns von der Hitze verzogene Ziegel und erklärte uns, dass es einer Temperatur von über 800 Grad bedurft hatte, um Ziegel so zu verbiegen.

Heute gibt es eine neue Universität in der Stadt Nalanda, unweit von der archäologischen Stätte.

Dort gibt es eine Statue und ein eigenes Museum für den chinesischen Gelehrten Xuan-Zang (sprich Schuan-Sang). Diesem Gelehrten verdanken wir es, dass wir heute nachvollziehen können, wo der Buddha gelebt und gelehrt hatte.

Ca. 100-150 Jahre nach Buddhas Tod wurde das Königreich Magadha von Ashoka regiert. Ashoka eroberte den ganzen indischen Kontinent bis nach Sri Lanka, wobei er offenbar teilweise mit äußerster Härte vorging. Bei seiner letzten Schlacht, die äußerst blutig und verlustreich war, war er entsetzt über die Konsequenzen des Feldzugs und beschloss, von weiteren Eroberungszügen abzusehen. Er beschloss, das Reich nach buddhistischen Prinzipien zu regieren und machte den Buddhismus zur Staatsreligion. Dadurch erfuhr der Buddhismus, den es bis dahin nur in Nordindien gab, eine große Ausbreitung bis nach Sri Lanka. Ashoka beschloss in weiser Voraussicht, alle Wirkungsorte mit beschrifteten Säulen zu versehen, damit die Orte im Laufe der Zeit nicht in Vergessenheit geraten. Hunderte Jahre später besuchte der chinesische Gelehrte Faxian (sprich Fa Schian) alle diese Orte und hinterließ umfangreiche Aufzeichnungen, welche Orte von Ashoka mit Säulen markiert worden waren. Weitere 200 Jahre später, im 6. Jahrhundert, pilgerte Xuanzang zu Fuss von China über den Himalaya, Tibet und Nepal nach Nordindien und notierte akribisch, was sich wo befindet: Der Platz der Erleuchtung befindet sich in der und der Entfernung in der und der Himmelsrichtung. Durch die Aufzeichnung dieser beiden Gelehrten und die Säulen, die König Ashoka hinterlassen hatte und die nach und nach von Archäologen ausgegraben wurden, wissen wir heute, wo der Buddha geboren wurde, wo er aufgewachsen ist, wo er Erleuchtet wurde, und an welchen Orten er gelehrt hatte, bevor er im Alter von 80 Jahren verstorben ist.

Ohne diese Gelehrten wüssten wir heute nicht, ob der Buddha tatsächlich gelebt hatte oder ob es sich nicht doch nur um eine Sammlung verschiedener Aussprüche und Lehrreden verschiedener Lehrer handelte.

Nachdem wir die Ashokasäulen in Sarnath (Ort der ersten Lehrrede) und in Bodhgaya (Ort der Erleuchtung) besucht hatten, führte uns unser Weg weiter zur Ashokasäule von Vaishali, wo der Nonnenorden gegründet worden war.

Als nach der Verbrennung des Buddha nach seinem Tod ein Streit um die Reliquien ausbrach, wurden die Überreste des Buddha in 8 Teile aufgeteilt und jedem König der damaligen 8 Königreiche ein Teil übergeben. In Vaishali wurde dank einer weiteren Ashokasäule die Stupa gefunden, in der die Reliquien aufbewahrt worden waren und die Reliquien wurden ins Nationalmuseum in New Dehli gebracht.

Wir besuchten den von einer grünen Kuppel geschützten Ausgrabungsort mit den Überresten der Stupa und nutzten die Gelegenheit für eine gemeinsame Meditation.

In Vaishali wohnten wir im vietnamesischen Nonnenkloster, das der Gründerin des Nonnenordens, Mahapajapati Gotami, Buddhas Stiefmutter, gewidmet war. Der Legende nach Verweigerte ihr der Buddha die Ordination so lange, bis sie zu Fuß aus dem Königspalast seines Vaters aufbrach und ihn mit blutenden Füssen in Vaishali bat, Nonne werden zu dürfen.

Unweit des Stupa, der das ehemalige Nonnenkloster markierte, erzählte uns Sivali die Geschichte von der Entstehung des Nonnenordens. Neben der Stupa sieht man schön eine der am besten erhaltenen Säulen des Kaisers Ashoka.

Der Tempel des vietnamesischen Klosters war mit wunderschönen Wandmalereien von den Nonnen im Gefolge von Mahapajapati Gotami geschmückt, deren liebevoll gemalte Hingabe in den Gesichtern mich sehr berührt hatten.

Die große Anlage mit Tempel, Pilgerunterkunft und Meditationszenrum wurde von nur 2 Nonnen geleitet, die auch noch eine Schule für Kinder aus armen Verhältnissen gegründet hatten und bis heute betreuen. Unterstützt werden sie von zwei Helferinnen, die auf dem Bild zwischen der Äbtissin in Grau und der Nonne in Orange stehen.

Es ist wirklich beachtlich, was diese sanften, freundlichen Frauen leisten!

Weiter geht unsere Reise nach Kushinagar, wo der Buddha im hohen Alter von 80 Jahren an den Folgen einer Pilzvergiftung verstarb und verbrannt wurde. Wie es einem Großkönig zugestanden hätte, wurde der Leichnam in vielerlei kostbare Tücher gewickelt und danach verbrannt.

An dem Ort, da er endgültig ins Nibbana eingegangen ist, steht heute ein Tempel mit einer
6 Meter langen Statue des sterbenden Buddhas. Thais führen hier sehr gerne Zeremonien durch, indem sie dem liegenden Buddha ein Tuch darbringen, mit dem der bedeckt ist und natürlich hatten wir mal wieder das Glück, dass wir in genau dem richtigen Moment da waren, um an so einer Zeremonie teilzuhaben.

Weiter ging unsere Reise über den einzigen Grenzübertritt nach Nepal nach Lumbini, dem Geburtsort des Buddha. Wie in Legenden üblich, wurde die Geschichte über seine Geburt kräftig ausgeschmückt. So soll er direkt nach seiner Geburt 6 Schritte getan haben und überall, wo seine Füße den Boden berührten, wären Lotusblumen entsprossen. Danach soll er verkündet haben, dass dies seine letzte Wiedergeburt sei und er dem Leid zum Wohle aller Menschen ein Ende machen würde.

Was mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden kann, ist, dass seine Mutter, die Königin Mahamaya, unterwegs zu ihrem Elternhaus war, um das Kind dort zu gebären, wie es damals üblich war. Sie schaffte es aber nicht, da unterwegs die Wehen einsetzten. Sie und ihr Gefolge rasteten an einem großen schattenspendenden Baum, wo sie ihr Kind gebar.

Der Ort wurde natürlich von Kaiser Ashoka markiert und heute steht dort ein schöner Tempel, in dem leider nicht fotografiert werden darf.

So saß ich etwas außerhalb unter einem ausladenden Bodhibaum, mit Blick durch die geöffnete Tempeltür auf den Geburtsort, und ließ diese sanfte, heitere Leichtigkeit auf mich wirken, die dieser Ort ausstrahlte.

Weiter ging die Reise nach Kapilavattu, wo der Buddha seine ersten 29 Jahre als streng behüteter Prinz verbrachte.

Nachdem Mahamaya mit den neugeborenen Prinzen Siddhatta in ihr Königreich zurückgekehrt war, wurden die Astrologen über die Zukunft des Prinzen befragt. Die Astrologen weissagten, dass der Prinz entweder ein großer Weltherrscher werden würde oder aber ein Buddha, der den Menschen Erlösung vom Leiden bringen würde. Siddhattas Vater wollte unbedingt, dass sein einziger Sohn seine Nachfolge als König von Sakya antrat und unternahm alles, um seinen Sohn vom Asketentum fernzuhalten. Er sorgte für alle nur erdenklichen Vergnügungen und Ablenkungen und unternahm alles, dass sein Sohn nie mit Unschönem wie Alter, Krankheit oder gar Tod in Berührung kam. Er verheiratete ihn mit der schönen Tochter eines benachbarten Königs und lange schien sich alles in seinem Sinn zu entwickeln. Bis Siddhatta eines Tages heimlich mit seinem Wagenlenker einen Ausflug unternahm und einen alten Mann auf der Straße sah. Die Information seines Wagenlenkers, dass dies nichts ungewöhnliches sei und alle irgendwann alt werden, gebeugt am Stock gehen, von Runzeln übersät, hat den Prinzen sehr verstört. Auch als er bei weiteren Ausflügen einem Kranken und einem Toten begegnete, und ihm klar wurde, das auch ihm dieses Schicksal blühen wurde, beschäftigte ihn das zutiefst.

Als er 29 Jahre alt war, gebar ihm seine Frau einen Sohn, Rahula. Er liebte seine Frau und seinen Sohn über alles und wünschte ihnen von Herzen alles Gute im Leben und wollte sie vor allem Schaden bewahren. Die Tatsache, dass er sie weder vor Alter noch Krankheit noch Tod beschützen konnte, plagte ihn so sehr, dass er beschloss, seine geliebte Frau und sein Kind in der Obhut seiner Familie zu lassen und Asket zu werden, um eine Lösung für Alter, Krankheit und Tod zu finden.

Während wir in den Ruinen der alten Königsstadt weilten, erzählte ich unserer Pilgergruppe, was in ihm vorging, was ihn veranlasste, sein Zuhause und seine Familie zu verlassen.

Zurück in Indien besuchten wir unsere letzte Station unserer Pilgerreise: Shravasti. Shravasti war zu dieser Zeit mit 250´000 Einwohnern die größte Stadt der Welt. In Shravasti entstand auf Initiative von Anathapindika das damals größte Kloster und es gab mindestens drei Klöster im näheren Umfeld von Shravasti.

Nirgendwo verbrachte der Buddha mehr Zeit als dort.

Die allermeisten Lehrreden beginnen folgendermaßen: Einst weilte der Erhabene in Savatthi, im Jetahain, im Park des Anathapindika.

Anathapindika war ein sehr reicher Kaufmann und ein begeisterter Anhänger Buddhas. Er wollte dem Orden ein Kloster spenden und suchte nach einem geeigneten Grundstück; nicht zu nah an der lauten, geschäftigen Stadt, aber auch nicht zu weit weg, so dass die Mönche trotzdem auf Almosen gehen können (Nonnen gab es zu der Zeit noch nicht). Das Wäldchen (Hain) des Prinzen Jeta war optimal gelegen. So ging er zum Prinzen Jeta und bat ihn, ihm das Wäldchen zu verkaufen. Der Prinz lachte in aus: Er würde ihm seinen Lieblingsplatz höchstens geben, wenn er jeden Millimeter des großen Geländes mit Gold bedecken würde. Anathapindika liess Ochsenkarren um Ochsenkarren sein ganzes Gold hintransportieren und begann, den ganzen Wald mit Goldstücken zu bedecken, bis alles aufgebraucht war. Prinz Jeta war von seiner Hingabe so beeindruckt, dass er den Wald an Anathapindika übergab, obwohl dessen Gold nicht für ganz alles gereicht hatte. Nachdem Anathapindika sein ganzes Gold für den Erwerb des Geländes verbraucht hatte, verwandete er sein gesamtes Silber für den Bau von Hütten und Gemeinschaftsgebäuden.

Anathapindika war nach dieser Aktion so arm, dass er dem Buddha, wenn er ihn besuchte, nur eine Handvoll Erde für die Pflanzen als Geschenk mitbringen konnte und brauchte Jahre, bis er wieder zu Wohlstand kam.

Wir besuchten im Jetahain den Ort, wo Buddhas Hütte gestanden hatte und wo seinerzeit ein Bodhibaum gepflanzt worden war, dessen Ableger heute so alt ist, dass er mit Lehm gestützt wird (Stützstrümpfe) und die Äste mit Metallstangen gestützt werden (Krücken), damit er nicht auseinanderbricht.

Morgens um zwei verließen wir unsere Unterkunft im japanischen Kloster und machten uns, vollgepackt mit wundervollen Erfahrungen, auf die 10stündige Fahrt nach Lucknow, wo uns ein Flugzeug über New Dehli zurück nach Deutschland brachte.

Ich kann gar nicht ausdrücken, wie groß meine Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber all jenen ist, die mir diese wundervolle Pilgerreise ermöglicht haben! Sadhu Sadhu Sadhu!

Mögt ihr alle stets gesegnet sein und die Früchte eurer Praxis und eurer liebevollen Unterstützung euch schnell und mühelos zum Ende des Leides führen!

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